17. Jahrgang Nr. 9 / 29. September 2017 | 9. Tischri 5778

Auf den anderen zugehen

Der Zentralrat legt das Begegnungsprogramm „Likrat“ bundesweit auf

„Likrat“ ist ein hebräisches Wort, das so viel bedeutet wie „entgegen“, „auf jemanden zu“. Durch Heinrich Heines Gedicht „Prinzessin Sabbath“ hat es übrigens auch Eingang in die deutsche Literatur gefunden, denn dort zitiert der Dichter die Worte des bekannten Schabbat-Liedes: „Lecho Daudi Likras Kalle“, also: „Geh, Geliebter, der Braut entgegen“ – eben der Prinzessin Sabbath, wobei „Likras“ die aschkenasische Aussprache von „Likrat“ ist.
„Likrat“ heißt auch ein Begegnungsprogramm zwischen jüdischen und nichtjüdischen Jugendlichen. Nachdem es sich in den Jahren 2007 bis 2013 als Pilotprojekt der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg bewährt hat, wird es in diesem Schuljahr nicht nur wiederaufgenommen, sondern vom Zentralrat erstmals auch bundesweit angeboten. Bei den Begegnungen erzählen junge Jüdinnen und Juden ihren Altersgenossen über das Judentum, aber auch über ihr eigenes Leben als Juden in Deutschland. Das Gespräch, betont der Geschäftsführer des Zentralrats Daniel Botmann, finde „auf Augenhöhe“ statt.
Bisher haben sich mehr als 40 jüdische Jugendliche – für sie wurde das Wort „Likratinos“ erfunden – bereit­erklärt, an dem Programm teilzunehmen. Bereits seit einigen Monaten bildet der Zentralrat die jungen Menschen für die Begegnungen in Schulklassen aus. Zudem schult eine Reihe externer Experten die jüdischen Teilnehmer aus ganz Deutschland – Altersstufe 15 bis 19 Jahre – in mehrteiligen Seminaren, um sie auf diese Begegnungen vorzubereiten. Auf Anfrage der Schulen kommen jeweils zwei „Likratinos“ in eine Schulklasse. Das Projekt ist für alle Schularten, auch Berufsschulen, gedacht.
Botmann ist überzeugt, dass das Programm positive Wirkung zeigen werde. „Wir wollen“, erklärt er, „Antisemitismus vorbeugen, indem wir Klischees abbauen und den ganz normalen jüdischen Alltag zeigen.“
Schulen, die an dem Programm teilnehmen wollen, können sich an likrat@zentralratderjuden.de wenden. Weitere Informationen sind auf www.likrat.de oder auf Facebook unter www.facebook.com/LikratDeutschland zu finden.

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