17. Jahrgang Nr. 9 / 29. September 2017 | 9. Tischri 5778

Zivilcourage und Solidarität

Das Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland kam mit Trägern des Paul-Spiegel-Preises zusammen

Seit 2009 verleiht der Zentralrat der Juden in Deutschland den nach seinem früheren Präsidenten benannten Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage. Der Preis erinnert an Paul Spiegel sel. A. und an sein unermüdliches Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus. Mit dem trotz seiner noch kurzen Geschichte bereits renommierten Preis spricht der Zentralrat den Empfängern seine Anerkennung für deren Kampf gegen demokratie- und freiheitsfeindlichen Extremismus aus. Für so couragierte Menschen, wie die Preisträger es – per definitionem – sind, ist die Ehrung, versteht sich, kein Anlass, sich auf Lorbeeren auszuruhen, sondern ein Ansporn, den Einsatz weiter zu verstärken. Und natürlich reißen die Freundschaft mit dem Zentralrat und die Solidarität nach der Verleihungszeremonie nicht ab: Man bleibt in der Abwehr der unserer Gesellschaft drohenden Gefahren vereint.
Diese Gemeinschaft – die natürlich nicht nur zwischen dem Zentralrat und den Preisträgern besteht, sondern alle Menschen guten Willens umfasst – kam im September auf eindrucksvolle Weise bei einem Treffen zwischen Spitzenvertretern des Zentralrats und Trägern des Paul-Spiegel-Preises zum Ausdruck. Seitens des Zentralrats nahmen an dem Treffen Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster, Vizepräsident Mark Dainow, die Präsidiumsmitglieder Küf Kaufmann, Milena Rosenzweig-Winter, Harry Schnabel, Hanna Sperling, Vera Szackamer und Barbara Traub sowie Geschäftsführer Daniel Botmann teil.
Zu dem Treffen im Berliner Leo-Baeck-Haus, dem Sitz des Zentralrats, kamen fünf Preisträger der vergangenen Jahre: der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz, das Künstlerehepaar Birgit und Horst Lohmeyer aus Jamel in Mecklenburg-Vorpommern, der Vorsitzende der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus Aycan Demirel und der Vorsitzende des Vereins „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ Uwe-Karsten Heye.
Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass die extremistische Gefährdung in Deutschland nicht nachgelassen habe. Er könne, so Polizeipräsident Merbitz, „leider überhaupt keine Entwarnung geben.“ Aycan Demirel erklärte, der Antisemitismus sei eine Gefahr für die ganze Gesellschaft. Birgit Lohmeyer berichtete, in ihrem Wohnort Jamel habe sich nichts verbessert, ja es gebe dort immer mehr Nazis. Gleichwohl sei die Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksamer geworden. Uwe-Karsten Heye äußerte den Wunsch, die gesellschaftliche Auseinandersetzung solle wieder stärker im Parlament ausgetragen werden.
Dr. Schuster dankte den Teilnehmern für ihr Kommen und für ihre Lageeinschätzung und betonte im Anschluss an das Gespräch die Bedeutung anhaltender Bekämpfung des Rechtsextremismus. Zugleich unterstrich er aber auch die Notwendigkeit des Dialogs und führte aus: „Vor allem die Aufklärungs- und Bildungsarbeit in den Schulen muss weiter verbessert und verstärkt werden. Die gesamte Gesellschaft muss ihr Augenmerk sowohl auf junge Menschen richten, die empfänglich sind für rechtsextreme Parolen, als auch auf junge Muslime, die sich unter dem Einfluss der türkischen Politik und der Dschihadisten radikalisieren. Wir dürfen diese jungen Leute nicht aufgeben, sondern müssen das Gespräch mit ihnen suchen.“
Der Zentralrat der Juden in Deutschland rief alle demokratischen Kräfte – die Parteien und die Zivilgesellschaft – zu Solidarität auf, um den Umtrieben der Rechtsextremisten Einhalt zu gebieten. Dies müsse auch eine vordringliche Aufgabe für die neue, nach der Bundestagswahl zu bildende Bundesregierung sein.

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