17. Jahrgang Nr. 8 / 25. August 2017 | 3. Elul 5777

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Kawana (hebräisch; aschkenasische Aussprache: Kawone):

wörtlich „Absicht“. Kawana ist das Durchführen einer Handlung mit Hingabe, mit Intention. Kawana heißt auch, vom Herzen zu beten, anstatt ausschließlich auf geistiger Ebene. Insofern handelt es sich um einen besonderen Bewusstseinszustand.
Kawana verleiht unseren Ritualen – wie der jüdischen Eheschließung, der Geburt eines Kindes und sogar dem Tod – eine Bedeutung. Sie spornt uns an, eine Mitzwa bewusster durchzuführen. Kawana ist das Kernstück und das Herz jüdischer Frömmigkeit.
Dieser eine Begriff umfasst unsere ganze innere Haltung, bewusst in der Gegenwart G’ttes zu leben. Martin Buber meint: „Kawana ist das Mysterium der auf ein Ziel gerichteten Seele.“
Mit der besonderen Betonung des Motiviert-Seins wollen unsere Gelehrten verhindern, dass aus dem Gebet eine leere, inhaltslose Pflichtübung wird. Wer betet, richte sein Herz gen Himmel, also gen G’tt. Als Hinweis darauf dient das Psalmwort: „Du festigst ihr Herz, Du hörst auf sie.“ (Psalm 10:17).