17. Jahrgang Nr. 8 / 25. August 2017 | 3. Elul 5777

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Sorgfalt

Mehr Sorgfalt bei der Berichterstattung über den Nahostkonflikt hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, von dem Fernsehsender Arte verlangt. In einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bemängelte Dr. Schuster, die auf Arte ausgestrahlte Dokumentation „Gaza: Ist das ein Leben?“ mache Israel einseitig für die schweren Lebensumstände in Gaza verantwortlich und lasse es an Ausgewogenheit und journalistischer Sorgfaltspflicht mangeln. Die Reportage, so der Zentralratspräsident, sei auch ohne einen Faktencheck gesendet worden. Dies habe er in einem offenen Brief an den Sender angemahnt.
Im Gegensatz dazu habe sich Arte zuerst lange geweigert, die Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ zu senden. (Die Dokumentation geht auch auf palästinensischen Antisemitismus ein.) Als der Film unter dem Druck der Öffentlichkeit dann doch gezeigt worden sei, habe Arte dazu wohl einen Faktencheck erstellt. „Ich hoffe sehr, dass unser offener Protest zu einem Nachdenken bei den Senderverantwortlichen führt“, führte Dr. Schuster aus.

Würzburg

200 seit Ende des Zweiten Weltkrieges unbeachtet lagernde jüdische Kultgegenstände wurden jetzt im Würzburger Museum für Franken wiederentdeckt. Der Fund wurde bei der Erfassung eines lange Zeit unerschlossenen Depots gemacht. Die Kultobjekte stammen, wie nun festgestellt werden konnte, größtenteils aus den Synagogen in Arnstein, Ebelsbach, Gochsheim, Heidingsfeld, Schweinfurt und Würzburg. Sie waren während der „Reichskristallnacht“ im November 1938 von den Nazis beschlagnahmt und ins Mainfränkische Museum in Würzburg gebracht worden. Nach der Zerstörung des Museums bei einem Luftangriff im März 1945 wurden die Objekte auf die historische Festung Marienberg verlegt, in der sich jetzt das Museum für Franken befindet.

Korrespondenz

Die Ravensbrück-Überlebende Stella Nikiforowa hat der Gedenkstätte Ravensbrück mehr als 2000 Briefe übergeben, die sie im Lauf der Zeit mit anderen Frauen ausgetauscht hat, die das Lager überlebten. Im KZ Ravensbrück waren vorwiegend Frauen inhaftiert.
Die Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, Insa Eschebach, bezeichnete die Briefe als einen wertvollen Quellenbestand, der sowohl für die Forschung als auch für das Gedenken an die Verfolgung in dem KZ wichtig sei. Stella Nikiforowa, in Belgien geboren, wurde 1943 mit ihrer Mutter nach Ravensbrück verbracht, wo die Mutter starb. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Mädchen in die Sowjetunion und wuchs dort in einem Kinderheim auf. Erst mit 24 Jahren fand sie ihren Vater, der zu diesem Zeitpunkt im brasilianischen Sao Paulo lebte.

Initiative

Der Zentralrat der Juden in Deutschland unterstützt die Bemühungen um ein härteres Vorgehen gegen die libanesische Hisbollah und die palästinensische Terrororganisation „Volksfront für die Befreiung Palästinas“. Das hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster erklärt. Damit schloss sich der Zentralrat einer dahingehenden Initiative von fünf Knesset- und sechs Bundestagsabgeordneten an.