17. Jahrgang Nr. 8 / 25. August 2017 | 3. Elul 5777

Wechsel an der Spitze

Bei der Jahrestagung der Union progressiver Juden in Deutschland wurde Rabbiner Walter Homolka zum neuen Vorsitzenden gewählt

Von Heinz-Peter Katlewski

Ende Juli fand in Bonn die 23. Jahrestagung der Union progressiver Juden in Deutschland (UpJ) statt. Dabei konnte Sonja Guentner, die scheidende Vorsitzende der UpJ, 180 Teilnehmer aus den liberalen Gemeinden sowie Mirjam Kramer, Vorsitzende des Europäischen Verbandes für progressives Judentum, den Bundestagsabgeordneten Volker Beck und den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, begrüßen.
In seinem Grußwort würdigte Lehrer die Jahrestagungen der UpJ als anspruchsvolle Veranstaltungen, bei denen sich die Teilnehmer mit aktuellen, mitunter schwierigen Fragen auseinandersetzten. Ferner merkte der Vizepräsident des Zentralrats an, durch die jüdische Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion sei die jüdische Gemeinschaft enorm gewachsen. Dies wiederum habe die Entwicklung verschiedener religiöser Strömungen innerhalb des Judentums gefördert. „Können wir uns nicht überaus glücklich schätzen, dass wir durch diese Vielfalt auch eine Vielfalt an Herausforderungen haben, anstatt nur noch zu überlegen, wer als Letzter das Licht ausmachen wird? Ich denke, das sollten wir uns häufiger bewusst machen“, erklärte Lehrer.
Das Tagungsprogramm bot den Teilnehmern ein breites Spektrum an Themen. So sprach Volker Beck, der Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag, über das besondere Verhältnis zwischen Deutschland und Israel. Der Hamburger Politikwissenschaftler und Historiker, Dr. Michael Küntzel, leitete einen Workshop zum Umgang mit einem israelbezogenen Antisemitismus. Weitere Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit den Kantillationszeichen der Tora, hebräischen und aramäischen Liedern, koscherer Küche, den Aufgaben der Gabbaim (Synagogenassistenten), aber auch mit theologischen Fragestellungen. Die Gottesdienste am Freitagabend und am Samstagmorgen wurden von Rabbinats- und Kantorenstudenten des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam gestaltet.
Während der Tagung wählten die Delegierten der 26 Unionsgemeinden einen neuen Vorstand. Neuer Vorsitzender ist Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka (Berlin), Rektor des Abraham Geiger Kollegs. Er ist auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die internationalen Beziehungen zuständig. Stellvertretende Vorsitzende bleibt Deborah Tal-Rüttger (Region Kassel). Sie wird die kleineren Unionsgemeinden unterstützen und die Bildungsarbeit forcieren. Weitere Vorstandsmitglieder sind Alexandra Khariakova (Unna) als Schatzmeisterin, Inna Shames (Kiel) für die Betreuung russischsprachiger Gemeindevorstände und Dan Rattan (München) für die Kinder- und Jugendarbeit sowie für den Kontakt zu der Vereinigung „Jung und Jüdisch Deutschland“ zuständig. Die bisherige Geschäftsführerin Irith Michelsohn (Bielefeld) wurde vom Vorstand als Generalsekretärin berufen.