17. Jahrgang Nr. 7 / 28. Juli 2017 | 5. Aw 5777

Lernziel Hass

Studie belegt schwerwiegende antiisraelische und antisemitische Inhalte in palästinensischen Schulbüchern

Wie friedensbereit ist die palästinensische Gesellschaft? Über diese Frage wird in der internationalen Öffentlichkeit nicht sehr oft diskutiert. Der eine oder andere neigt dazu, die Schuld für den ausbleibenden Frieden zwischen Israel und seinen palästinensischen Nachbarn nahezu automatisch dem jüdischen Staat in die Schuhe zu schieben. Umso wichtiger sind diejenigen Stimmen, die sich um eine objektive Darstellung des oft tabuisierten Themas bemühen. Einen wichtigen Beitrag zu mehr Objektivität hat das Mideast Freedom Forum Berlin (MFFB) geleistet. Die Organisation, die gegen Antisemitismus, Antiisraelismus, Islamismus und Rechtsextremismus kämpft, legte jüngst eine Studie zu dem Bild von Israel und von Juden vor, das palästinensische Schulbücher zeichnen. Die Ergebnisse seien besorgniserregend, so die Bundestagsabgeordneten Michael Leutert, Volkmar Klein, Sven Christian Kindler und Johannes Kahrs, die das Vorwort zu der Untersuchung verfasst haben.
Wie besorgniserregend, wird bei der Lektüre überaus deutlich. Laut der Untersuchung, bei der Schulbücher für die erste bis neunte Klasse in der West Bank und im Gaza-Streifen ausgewertet wurden, nähmen die Schulbuchtexte in Fächern wie Geschichte und Bürgerkunde inhaltlich durchweg negativen Bezug auf Israelis und Juden, die vielfach dämonisiert würden. Die Geschichtsdarstellung laufe auf eine Abbildung von Juden und Israelis als Feind hinaus; die historische Verbindung von Juden zu dem Land werde verneint, wodurch die heutige jüdische Präsenz in Israel delegitimiert werde.
Historisch gesehen würden Juden nur als Widersacher des Propheten Mohammad und als neuzeitliche „Kolonisten“ dargestellt. Hauptmotive jüdischer Immigration nach Palästina – Antisemitismus und die Schoa – würden mit keinem Wort erwähnt. Zudem enthielten die Schulbücher, so die Studie, weder Informationen über jüdische Kultur oder Religion noch über die israelische Gesellschaft. Die vom MFFB beanstandeten Bücher werden übrigens nicht nur im öffentlichen Schulwesen der Autonomiegebiete, sondern auch an von der internationalen Gemeinschaft finanzierten Schulen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) verwendet.
Es bleibt nicht bei einem verzerrten Geschichtsbild. Auch eine Friedensvision fehlt im Unterricht. So finde sich, brachte die Untersuchung ans Tageslicht, der Staat Israel nicht auf palästinensischen Schullandkarten, seine Existenz werde unterschlagen. Textstellen, die an Verständigung appellierten, fänden sich in den Büchern nicht. Vielmehr sei oft von der „Rückkehr“ in das heutige israelische Staatsgebiet als einem hehren Ziel die Rede.
Wo es den Schulbuchautoren „didaktisch“ angebracht erscheine, würden gängige antisemitische Stereotype eingebaut. So etwa finde sich in den Texten die Behauptung‚ der Zionismus habe seinen Sitz von London nach New York verlegt, weil in den USA viele Medien und Wirtschaftsbereiche in den Händen der zionistischen Bewegung seien. Solcher Hetze stünden keine positiven oder auch nur neutralen Darstellungen von Juden oder Israelis gegenüber. Ausgeprägt sei auch die Glorifizierung des „Widerstands“ gegen Israel – also des Terrorismus. Der „Widerstand“ werde mit Begriffen wie Aufopferung und Märtyrertod verherrlicht. Gefallene Palästinenser figurierten als Märtyrer.
Im Nachwort zu der Studie stellt der MFFB-Vorstand Jörg Rensmann fest: „Die in der vorliegenden Broschüre versammelten Lehrinhalte aus gebräuchlichen palästinensischen Schulbüchern haben einen erheblichen Anteil daran, Hass und Vorurteile gegen Juden und jüdische Israelis zu fördern und zu festigen und damit Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu ermöglichen, sie zu rationalisieren und zu legitimieren.“ Wohl nicht umsonst hat das MFFB die Studie unter den programmatischen Titel „Bildung für nächste Generation: eine Korrektur palästinensischer Schulbücher als Voraussetzung für eine Verständigung“ gestellt.
Im Zusammenhang mit den beanstandeten Texten sieht das MFFB auch die internationale Politik in der Verantwortung. Rensmann betont: „Wer sich glaubwürdig für einen Friedensprozess im Nahen Osten zwischen Arabern und Israelis einsetzen möchte, sollte mit dazu beitragen, dass auf palästinensischer Seite eine gesellschaftliche Veränderung in Richtung auf Demokratie, auf Stärkung des Individuums und seiner Rechte und auf Einhaltung von Menschen- und Minderheitenrechten eintreten kann. Dazu zählt eine Wissensvermittlung in Bildungsinstitutionen, die nicht zu Hass und Gewalt beiträgt.“ Wann dieser Wunsch Realität werden könnte, ist nach der Lektüre der Studie allerdings eine schwer zu beantwortende Frage.

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