17. Jahrgang Nr. 7 / 28. Juli 2017 | 5. Aw 5777

Verschnaufpause? Nicht bei uns!

Interview mit dem Präsidenten von Makkabi Deutschland, Alon Meyer

Zukunft: Herr Meyer, das Team von Makkabi Deutschland ist mit vielen Erfolgen von der Maccabiah zurückgekehrt. Kommt jetzt die Zeit für eine Verschnaufpause?
Alon Meyer: Verschnaufpause? Nicht bei uns. Es stimmt, wir haben sehr erfolgreiche Spiele hinter uns. Unsere Sportler haben mehr als doppelt so viele Medaillen gewonnen wie bei der bisher erfolgreichsten Makkabiade, der von 2009. Ganz ehrlich: Wir sind besser als je zuvor. Das motiviert uns aber nicht zum Ausruhen. Im Gegenteil: Wir haben jetzt die Chance, noch mehr Aktive in Deutschland für jüdischen Sport zu begeistern. Diese Chance müssen wir auch nutzen.

Was heißt das konkret?
Konkret heißt das, dass wir noch mehr als bisher in die jüdischen Gemeinden gehen wollen, um Sportler für unsere Vereine zu gewinnen. Wir wollen Juden auch dort ansprechen, wo es keine jüdische Gemeinde gibt. Wir wollen unsere Ortsvereine stärken und neue Ortsvereine gründen, neue Sportarten ins Angebot aufnehmen. Dafür brauchen wir mehr Ehrenamtliche ebenso wie mehr Sponsoren und Förderer. Eins ist klar: Je dezentraler wir werden, umso mehr Aufwand kostet es, neue Mitglieder zu gewinnen und auch zu betreuen. Ich hoffe, dass der Erfolg unserer Delegation bei den Maccabi-Spielen uns, die heutigen Aktivisten, ebenso wie neue begeistern und mitreißen wird.

Wie sehen Sie langfristig die Zukunft von Makkabi Deutschland?
Wir wollen noch wichtiger im jüdischen Leben in Deutschland werden. Und damit will ich unsere Rolle heute keineswegs kleinreden. Ich denke, dass wir jetzt schon eine der Hauptstützen der jüdischen Gemeinschaft sind. Wir haben mehr als 40 Ortsvereine und über 5000 Sportler. Bekanntlich sind wir für Juden wie für Nichtjuden offen, doch schätze ich, dass rund 3000 unserer Aktiven Juden sind. Die allermeisten fallen in die Altersspanne zwischen 5 und 45, doch haben wir auch Ältere. Eine unserer Teilnehmerinnen bei der Maccabiah, Altersstufe sechzig plus, gewann übrigens Silber im Triathlon. Wir entfalten eine starke Breitenwirkung und wir setzen nicht nur auf Leistungs-, sondern auch auf Breitensport - künftig wahrscheinlich noch mehr als bisher.
Unsere Aufgabe ist aber nicht nur die sportliche Leistung, sondern auch die Stärkung jüdischer Identität. Identitäten spielen im Sport nun mal eine wichtige Rolle. Zudem sind unsere Sportler zugleich Botschafter des Judentums in der nichtjüdischen Umwelt, und zwar im besten Sinne des Wortes, indem sie Engagement, Fairness und Toleranz vorleben.
Wir sind aber auch Botschafter Deutschlands in der jüdischen Welt und in Israel. Bei der Maccabiah treten wir für Deutschland an, und das wird sehr deutlich wahrgenommen. Als wir vor zwei Jahren die europäischen Maccabi-Spiele in Berlin ausrichteten, wurde das in der jüdischen Welt ebenso wie in Deutschland beachtet und geachtet. Insofern haben wir schon viel geleistet, doch es gibt immer Raum für mehr.