17. Jahrgang Nr. 7 / 28. Juli 2017 | 5. Aw 5777

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Filme

Die Filmkunst kann einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus leisten. Das hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, Anfang Juli bei der Eröffnung des Jüdischen Filmfestivals Berlin-Brandenburg erklärt. Filme, so der Zen­tralratspräsident, seien eine der besten Möglichkeiten, Empathie zu erzeugen. Als wichtiges Beispiel nannte er israelische Filme, die zwar hart mit gesellschaftlichen Missständen ins Gericht gingen und unbequeme Fragen stellten, sich gleichzeitig aber durch Liebe zum Menschen auszeichneten. Sie könnten deshalb Empathie erzeugen. „Empathie“, so Dr. Schuster, „bedeutet nicht blinde Bewunderung oder dumpfe Kritiklosigkeit. Aber anstatt nach der Lektüre einer Überschrift und aus 3000 Kilometer Entfernung Israelis pauschal zu verdammen und die Juden in Deutschland gleich mit in Haftung zu nehmen, könnten solche Bilder im Kopf immerhin schon dazu führen, mit Urteilen etwas vorsichtiger zu werden.“
„Über Filme“, so der Zentralratspräsident ferner, „lässt sich viel über das Land erfahren. Wir zittern plötzlich mit der israelischen Familie mit, deren Vater vor Jahren als Soldat entführt wurde. Wir leiden mit unter den Belastungen, denen die Familie ausgesetzt ist. Und in dem Moment verurteilt niemand einseitig die Israelis. Sondern die schreckliche Ambivalenz der Situation dringt in unser Bewusstsein, die vielen Grautöne, die eine simple Schwarz-Weiß-Zeichnung unmöglich machen. Daher sind jüdische Filmfestivals so wichtig.“

Speyer

Die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz hat in der Speyerer Synagoge eine neue Torarolle eingebracht. Bei der Zeremonie würdigte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, das Ereignis. Lehrer erinnerte an die Worte des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau „Wer ein Haus baut, will bleiben“ und fügte hinzu: „Wer eine Synagoge baut und eine Torarolle hat, der will erst recht bleiben.“ Dass neues jüdisches Leben in Deutschland wachse, sei vor allem durch den Zuzug von Juden aus den ehemaligen Sowjetstaaten bedingt, sagte Lehrer. Dies sei auch ein Verdienst des verstorbenen Altbundeskanzlers Helmut Kohl, der sich dafür eingesetzt habe, „dass Deutschland für verfolgte Juden die Tore öffnet.“
Die Tora-Einweihung sei ein Symbol dafür, dass jüdische Gemeinden in Deutschland wüchsen, erklärte der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf (SPD). Die Landesregierung werde sich auch weiter für den Schutz jüdischer Gemeinden und die Bewahrung des deutsch-jüdischen Kulturerbes einsetzen. Die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz mit ihren drei Gemeindehäusern in Speyer, Kaiserslautern und Ludwigshafen zählt rund 620 Mitglieder.

München

In München fand die offizielle Gründungsfeier des neuen Jüdischen Gymnasiums statt. Die Zeremonie wurde aus Anlass der Beendigung des ersten Schuljahres abgehalten. Dabei erklärte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h. c. Charlotte Knobloch: „Wir wollen unseren Kindern von der Krippe bis zum Abitur den staatlich anerkannten Bildungsweg in jüdischer Prägung bieten.“ Mit Blick auf die Schüler erklärte sie: „Diese Kinder sind die Hoffnung der jüdischen Gemeinde.“ Die jüdische Prägung des Gymnasiums kommt unter anderem in den Fächern Religionslehre, He­bräisch sowie jüdische Literatur und Geschichte zum Ausdruck.
Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle würdigte die Gründung als Symbol für das enge Verhältnis zwischen dem Freistaat und Menschen jüdischen Glaubens. Zugleich werde damit in der bayerischen Landeshauptstadt an die reiche jüdische Bildungstradition angeknüpft, die unter dem NS-Regime ein jähes Ende gefunden habe. Das Jüdische Gymnasium wurde von der Israeltischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gegründet und hat bereits im letzten Herbst den Unterrichtsbetrieb aufgenommen.

Berlin

Das Jüdische Museum Berlin hat eine Sammlung von 20 seinerzeit durch das NS-Regime geraubten Büchern erhalten. Vor der Enteignung durch die Nazis hatten die Bände, größtenteils Sachbücher und Monographien, dem Berliner Ehepaar Käthe und Jacob Kahn gehört. Nun wurden sie in den Beständen der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) wiederentdeckt und als verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut identifiziert. In Abstimmung mit der in Schweden lebenden Großnichte Käthe Kahns, Renée Hirschfeld, wurden sie nunmehr dem Archiv des Jüdischen Museums übergeben. In dem Archiv befinden sich mehr als 1.500 Nachlässe und Sammlungen, die das Leben und Schicksal deutscher Juden und deutsch-jüdischer Familien dokumentieren.