17. Jahrgang Nr. 5 / 26. Mai 2017 | 1. Siwan 5777

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Kapparot (hebräisch): Sühne, volkstümlich, auf Jiddisch „Kappores“.

Ein Ritual, das von gesetzestreuen Juden vor Jom Kippur durchgeführt wird. Dabei wird eine Henne (von Frauen) oder ein Hahn (von Männern) um den Kopf geschwungen (volkstümlich: „schlagen Kappores“). Zugleich werden Gebete rezitiert, die die Sünden der betreffenden Person auf das Huhn übertragen. Die Vögel werden anschließend für Bedürftige gespendet.
Die erste bekannte Erwähnung des Rituals stammt aus dem 7. Jahrhundert. Alle Dezisoren lehnten und lehnen dieses Ritual ab. Dennoch fand es im Volk weite Verbreitung. Heute ist es in den meisten Fällen üblich, anstelle dieser Zeremonie Geldspenden für die sozial Schwächeren zu geben. Zum Teil gibt es auch die Sitte, das Geld um den Kopf zu schwingen.
Umgangssprachlich verwendet man den Ausdruck „Kappore soll sein“. Das heißt: „Es hätte auch schlimmer kommen können.“ Auf Jiddisch gibt es auch den ironischen Spruch „Ich darf dos ojf Kappores“. Wörtlich heißt das „Ich brauche es für das Kapparot-Ritual“, doch bedeutet es tatsächlich „Das brauche ich ganz und gar nicht“.