17. Jahrgang Nr. 5 / 26. Mai 2017 | 1. Siwan 5777

Koscher essen – koscher kochen

Düsseldorfer Schabbaton des Bundes traditioneller Juden befasste sich mit koscherem Essen

Von Polina Ivanova

Kann ein Seminar über koschere Küche spannend sein? In den alten sowjetischen Witzen über Radio Jerewan hätte man wohl gesagt: Im Prinzip ja. Genauso gut lässt sich aber auch antworten: Probieren geht über Studieren. Letzteres war auch den Verantwortlichen des Bundes traditioneller Juden (BtJ) bewusst, als sie ihren jüngsten Schabbaton planten, in dessen Mittelpunkt koscheres Essen stand. Die Veranstaltung wurde zusammen mit den Schlichot (Emissärinnen) der Bnei-Akiva-Bewegung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und mit Unterstützung des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein durchgeführt.
Unter dem Motto „Was is(s)t das Judentum?“ tauschten sich 135 junge Erwachsene aus ganz Deutschland drei Tage lang über koscheres Essen aus. Die Organisatoren entwarfen ein vielfältiges Programm mit verschiedenen Vorträgen und Diskussionsrunden, doch kam auch die Praxis nicht zu kurz. Nach Schabbatausgang wurde der Saal der Gemeinde beim Kosher Food Festival in eine große Küche mit mehreren Anlaufstellen umgewandelt. Acht Koch- und Verkostungsstationen boten den Gästen verschiedene Speisen und Getränke an: jemenitisches Malauach (Pfannkuchen aus Blätterteig), Hummus, Falafel, Sushi, Hot-Dogs, Rum mit Schokolade, Cocktails und koschere Weine.
Das anfangs eher zurückhaltende Publikum verlor schnell seine Scheu und traute sich an die gemeinsame Zubereitung der Speisen mit den Köchen. Besondere Anziehungskraft hatte die Sushi-Station. Nicht umsonst nennt man Düsseldorf durch die große japanische Gemeinschaft „Klein-Tokio“ am Rhein. Die Liebhaber der japanischen Delikatesse standen Schlange, um für sich und ihre Freunde ein paar Röllchen zu drehen. Unter der Anleitung eines erfahrenen Sushi-Meisters erlernten diejenigen, die noch nie Sushi zubereitet hatten, wie man mit ein wenig Fingerspitzengefühl und Übung diverse Rollen auf den Tisch zaubert. Die schon erfahreneren Sushi-Macher nutzten die Gelegenheit und stellten dem Sushi-Meister viele spezifische Fragen.
Aber nicht nur die japanische Küche lockte die Hobbyköche an. Die Feinschmecker genossen verschiedenste frisch zubereitete israelische Speisen. Typisch israelische Gerichte wie Hummus und Falafel fanden besonders starken Gefallen bei den Besuchern. Die Möglichkeit, von den Schlichot die korrekte Zubereitung der Masse für Hummus und Falafel zu erlernen, wurde von vielen Besuchern genutzt.
Eine Sensation war das Live-Kochen des Kochstars und Siegers der israelischen Ausgabe von Master Chef, Tom Franz. Mehr als 300 Hobbyköche und Gourmets kamen an dem Abend, um den Chefkoch bei der Arbeit zu beobachten und mitzumachen zu können. Durch die Live-Übertragung des Geschehens auf einer großen Leinwand konnte jeder Gast dem Meister dabei zuschauen, wie dieser Lamm-Kebab auf Zimtstangen vorbereitete. Anschließend durfte jeder, der Interesse hatte, es selbst tun.
Ein weiteres Highlight waren die molekularen Cocktails. Sie wurden dampfend in Reagenzgläsern serviert und sahen magisch aus. Nicht jeder traute sich, die Cocktails – sie sahen ein wenig aus, als kämen sie direkt aus dem Chemielabor – zu probieren. Diejenigen aber, die es taten, waren begeistert. Auch bei der Herstellung von Getränken hatten die Besucher Gelegenheit, mithilfe eines Barkeepers das richtige Handling des Barequipments und das Mixen von Mojitos zu erlernen.
Der Online Shop SchokoUndRum.de lud die Gäste zu einer Kostprobe zwei verschiedener Schokoladen- und Rum-Kombinationen ein. Bei der Schokolade handelte es sich selbstverständlich um zertifizierte koschere Schokolade –
und zwar nicht milchig, sondern parve, um nicht mit den Fleischspeisen in Konflikt zu geraten.
Neben dieser süßen Köstlichkeit durfte natürlich auch Wein nicht fehlen. Dieser spielt im Judentum bekanntlich eine bedeutende Rolle und war auch auf dem Kosher Food Festival unverzichtbar. Den Besuchern wurden verschiedene koschere Sorten zur Probe angeboten. Das Festival war ein großer Erfolg: Die begeisterten Besucher blieben bis spät in die Nacht und gingen mehrmals von Station zu Station. Am nächsten Tag hielt Rabbiner Elias Dray einen Vortrag zum Thema „Ein praktischer Kaschrut-Guide“. Dabei beantwortete er viele praxisbezogene Fragen der Seminarteilnehmer.
Als Bilanz des Seminars erklärte der BtJ-Vorsitzende und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Michael Grünberg, gegenüber der Zukunft: „Essen und Trinken sind ein elementarer Bestandteil jüdischen Lebens. Unser Ziel war es zu zeigen, dass auch koscheres Essen richtig gut sein kann. Wir wollten das Vorurteil abbauen, dass koscher nicht schmeckt. Niemand soll sagen: ‚Ich habe koscher gegessen, aber es war gut.‘ Da gehört kein Aber hin, denn koscher und gut sind keine Gegensätze.“ Die Gruppe derjenigen, so Grünberg ferner, die am traditionellen jüdischen Leben interessiert seien, wachse in Deutschland. Diese Menschen wolle der BtJ unterstützen und ihnen verschiedene Facetten jüdischen Lebens näherbringen.