17. Jahrgang Nr. 3 / 29. März 2017 | 2. Nissan 5777

Wissen macht stark

Die Bildungsabteilung des Zentralrats ist ein wichtiger Partner der jüdischen Gemeinden

Die Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland ist eine relativ junge Einrichtung: Sie besteht seit Anfang 2013. Allerdings hat sie sich so erfolgreich etabliert, dass sie inzwischen aus dem jüdischen Leben in der Bundesrepublik nicht mehr wegzudenken ist.
Das liegt nicht zuletzt an dem Konzept, nach dem die Bildungsabteilung ihre Arbeit gestaltet. Neben den großen Tagungen, die sich zentralen Themen der jüdischen Religion und Philosophie, der Geschichte und der Gegenwart widmen und sich nicht nur als intellektuelle Bereicherung, sondern immer wieder auch als Publikums­magnet herausstellen, führt die Bildungsabteilung auch Seminare für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jüdischer Gemeinden durch. Das Ziel, so die Leiterin der Bildungsabteilung Sabena Donath, ist die Wissensvermittlung und der Erfahrungsaustausch zu konkreten Fragen der Gemeindearbeit – Fragen, die für die Zukunft der Gemeinden von entscheidender Bedeutung sind. Das Grundprinzip, erklärt Donath, lautet dabei, Probleme nicht nur nicht zu verschweigen, sondern sie offen, ja offensiv anzugehen.
Das bedeutet unter anderem, die Themen pointiert zu formulieren. So fragten die Programmplaner der Bildungsabteilung bei dem ersten diesjährigen Gemeindeseminar geradeheraus: „Wie werden unsere Gemeinden attraktiver?“ Dabei ging es um ein Dilemma, das wohl jeder Gemeinde bekannt ist: „Die Balance zwischen religiösem Leben und moderner Dienstleistung“ – so auch der Untertitel der zweitägigen Veranstaltung. Und wie motiviert man junge Erwachsene, Verantwortung in den Gemeinden zu übernehmen? Dieser Frage widmet sich in diesem Jahr das Seminar „Die Gemeinde sind wir. Jüdische Nachwuchsförderung heute“.
Augenzwinkernd bis provokativ ist der Name des für August geplanten Seminars „Hurra – ein Konflikt!“. Hier geht es, wie der Untertitel verrät, um professionelles Konfliktmanagement in den jüdischen Gemeinden. Praxisnah ist ein Seminar zu Projektentwicklung und Projektmanagement, denn ohne richtige Umsetzung bleiben auch die besten Ideen an der Startlinie stecken. Das Seminarprogramm für die Gemeinden passt sich überdies gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen an: 2017 beschäftigen sich die Teilnehmer eines Seminars auch mit dem Thema Sozialarbeit mit Flüchtlingen.
„Unsere Seminare sind sehr gefragt“, sagt der Wissenschaftliche Direktor der Bildungsabteilung, Prof. Dr. Doron Kiesel. Die meisten von der Abteilung durchgeführten Seminare sind voll ausgebucht. Dennoch wird die Teilnehmerzahl bei jedem Seminar begrenzt, damit ein sinnvoller Erfahrungsaustausch möglich bleibt. Im Übrigen werden alle Seminare der Bildungsabteilung auf Deutsch abgehalten. Auch wenn die meisten Mitglieder der jüdischen Gemeinden hauptsächlich oder zumindest neben Deutsch auch Russisch sprechen, so sind die Gemeindemitarbeiter, wo immer sie auch herkommen mögen, auf Managementsprache Deutsch eingestellt.
Die Bildungsabteilung führt nicht nur eigene Seminare durch, sondern hilft auch vielen Gemeinden fachlich bei der Durchführung deren eigener Seminare. Oft tun sich mehrere Gemeinden zusammen, um ein gemeinsames Schwerpunktseminar durchzuführen. Solche Regionalseminare führen häufig zu verstärkter regionaler Zusammenarbeit.
Insgesamt leistet die Bildungsabteilung einen großen Beitrag zur Professionalisierung der Arbeit jüdischer Gemeinden. Inzwischen hat sich auch ein gewisses Stammpublikum gebildet, das mit einiger Regelmäßigkeit die von der Bildungsabteilung veranstalteten oder mitgestalteten Seminare besucht. Dadurch wird der vermittelte Wissensfundus nicht nur vergrößert, sondern bleibt auch aktuell.
Darüber freuen sich Donath und Kiesel, betonen aber auch, zu einem großen Teil sei der Erfolg der Bildungsabteilung den Seminarteilnehmern zu verdanken. Die intellektuelle Neugier und das Engagement der Gemeindemitarbeiter seien beeindruckend. Das ist auch an der großen Zahl der Anregungen und Vorschläge zu erkennen, die seitens der Gemeinden an die Abteilung eingereicht werden und dieser wiederum eine präzisere, auf die Bedürfnisse der Gemeindearbeit zugeschnittene Wissensvermittlung ermöglichen. Zu diesen Bedürfnissen gehört nicht nur die interne Verwaltung, sondern auch die Einbindung der Gemeinden in die Gesellschaft. So etwa kam das diesjährige Seminar zur Sozialarbeit mit Flüchtlingen auf Anregung mehrerer jüdischer Gemeinden zustande. Zugleich entspricht der Dialog mit den Gemeinden auch dem Selbstverständnis der Bildungsabteilung, die sich ausdrücklich als ein kommunikatives Forum versteht.
Durch das „doppelgleisige“ Angebot – große Tagungen hie und Fachseminare da – entfaltet die Bildungsabteilung nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ große Wirkung. Die Zahl der Teilnehmer, die zu ihren Veranstaltungen kommen, liegt, so schätzen Donath und Kiesel, bei rund 1000 pro Jahr.

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