17. Jahrgang Nr. 2 / 24. Februar 2017 | 28. Schwat 5777

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Gelsenkirchen

Bei einem Festakt anlässlich des 10. Jahrestags der Einweihung der Neuen Synagoge in Gelsenkirchen würdigte der Präsident des Zen­tralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, das reichhaltige religiöse und kulturelle Leben der Gemeinde, zu deren Einzugsbereich neben Gelsenkirchen auch Gladbeck und Bottrop gehören.
Dr. Schuster unterstrich den Zusammenhalt der Gemeindemitglieder sowie die Verdienste der Gemeindevorsitzenden Judith Neuwald-Tasbach. Der Zentralratspräsident hob die erfolgreiche Jugendarbeit der Gemeinde hervor und betonte, gerade für kleinere Gemeinden sei es nicht leicht, eine aktive Jugendarbeit zu leisten.
Dr. Schuster sprach sich für den Erhalt kleinerer jüdischer Gemeinden aus. Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gebe es immer wieder die Debatte, ob es sinnvoller wäre, Gemeinden zu größeren Einheiten zusammenzulegen, erklärte er. Es gebe aber sehr gute Gründe, nicht nur die Großgemeinden aufrechtzuerhalten, denn nur eine jüdische Gemeinde in der Nähe ermögliche ein jüdisches Leben im Alltag. Der Zentralrat vertrete mehr als 100 jüdische Gemeinden in Deutschland. Diese hohe Zahl stehe auch für die Vielfalt des Judentums.

Thüringen

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und der Paritätische Wohlfahrtsverband in Thüringen haben eine Kooperationsvereinbarung zur Bekämpfung von Diskriminierung und Ausgrenzung unterzeichnet. Die beiden Verbände wollen unter anderem bei der Schulung von Betreuern in Jugendeinrichtungen zusammenarbeiten, um antidemokratischen oder antisemitischen Äußerungen entgegenzutreten.

Berlin

Das Jüdische Museum Berlin (JMB) hat eine neue Programmdirektorin. Anfang Februar hat Léontine Meijer-van Mensch die bisherige Inhaberin dieses Postens, Cilly Kugelmann, abgelöst. Meijer-van Mensch ist kein Neuling in dem JMB: Als Mitglied im Gründungsteam und als freie Mitarbeiterin in der Bildungsabteilung war sie schon von 2001 bis 2005 in dem Museum tätig.
Léontine Meijer-van Mensch wurde 1972 in Hilversum in den Niederlanden geboren. Sie studierte Geschichte und Jüdische Studien in Amsterdam, Jerusalem und Berlin. In Amsterdam war sie im Jüdischen Historischen Museum und später an der international renommierten Reinwardt Academie (Fakultät der Amsterdamer Hochschule der Künste) tätig. Von 2014 bis zu ihrem Wechsel an das JMB war sie stellvertretende Direktorin des Museums Europäischer Kulturen in Berlin.

Hamburg

Deutschland beantragt die Anerkennung des Jüdischen Friedhofs in Hamburg-Altona als Weltkulturerbe. Das hat die Kultusministerkonferenz mitgeteilt. Der Antrag wird an die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) gestellt.
Der knapp 1,9 Hektar große Jüdische Friedhof Altona, auf dem rund 6400 Grabsteine erhalten sind, ist der älteste jüdische Friedhof in Hamburg und der älteste portugiesisch-jüdische Friedhof in Nordeuropa. Wegen seines Alters und seiner einzigartigen Grabkunst wurde er 1960 unter Denkmalschutz gestellt. Sefardische Juden, vor allem aus Portugal, kamen seit Ende des 16. Jahrhunderts nach Hamburg, nachdem sie von der Iberischen Halbinsel vertrieben worden waren oder flüchten mussten.
Außer dem Friedhof beantragt die Bundesrepublik auch die Aufnahme des archäologischen Bodendenkmals Haithabu und Danewerk bei Schleswig in die Liste des Weltkulturerbes. Mit einer Entscheidung über die Aufnahme wird im Sommer 2018 gerechnet.

Gedenken

Die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück in Brandenburg wird erweitert. Das hat die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mitgeteilt. Zunächst soll der südliche Bereich des ehemaligen NS-Frauen-Konzentrationslagers erschlossen werden. Bis 2019 wird, so der Plan, das gesamte südliche Gelände des ehemaligen Häftlingslagers und des Industriehofes in die Gedenkstätte integriert. Ravensbrück war das größte Frauen-KZ im „Dritten Reich“.

Erfurt

Am 9. Februar empfing Prof. Dr. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, hochrangige Gäste: Während eines Besuchs in Erfurt statteten der König der Niederlande Willem-Alexander und seine Frau Máxima auch der Alten Synagoge eine Visite ab. Dort besichtigte das königliche Ehepaar die international bekannte Ausstellung zum jüdischen Leben in Erfurt und ließ sich von Prof. Dr. Schramm über die Geschichte der Gemeinde informieren.