17. Jahrgang Nr. 2 / 24. Februar 2017 | 28. Schwat 5777

Schulreif?

Diskussion über die Verwendung kommentierter Ausgaben von Hitlers „Mein Kampf“ im Unterricht

Vor 14 Monaten wurde in Deutschland eine wissenschaftlich edierte und kommentierte Ausgabe von Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ veröffentlicht. Die vom Münchner Institut für Zeitgeschichte (IFZ) erstellte zweibändige Ausgabe wurde erarbeitet, weil die nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Freistaat Bayern übergegangenen Urheberrechte an dem „Werk“ zum Jahresende 2015 erloschen waren. Damit konnte Bayern eine Veröffentlichung unter Berufung auf diese Rechte nicht mehr verhindern. Mit der wissenschaftlichen Ausgabe sollte sichergestellt werden, dass „Mein Kampf“ wenigstens nicht unkommentiert auf den Markt kam.
Gegenwärtig wird über die Frage diskutiert, ob die kommentierte Ausgabe der Propagandaschrift, in der Hitler bereits 1926 seinen Judenhass und Rassenwahn, seine Ablehnung der Demokratie und der Gleichberechtigung sowie seine Aggressionspläne dargelegt hatte, heute im Schulunterricht verwendet werden könne. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, hält dies – und zwar in höheren Schulklassen – für sinnvoll. „Dies kann ein wichtiger Baustein sein, um die nationalsozialistische Ideologie zu verstehen“, erklärte er im Februar. Allerdings, so Dr. Schuster ferner, müssten Lehrern, die dieses Thema vermitteln sollten, gute Arbeitsmaterialien sowie Fortbildungsmöglichkeiten angeboten werden.
Auch der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle befürwortet eine Auseinandersetzung mit „Mein Kampf“ in kommentierter Form. Dies könne zur vorbeugenden Aufklärung über die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus beitragen, so der Minister. Nach Dr. Spaenles Auffassung wäre jedoch ein kürzlich von der Bayerischen Zentrale für Bildungsarbeit herausgebrachtes Themenheft zu „Mein Kampf“ für den Schulunterricht geeigneter als die volle wissenschaftliche Edition.
Das 63 Seiten starke Themenheft, so die Landeszentrale, wolle „nüchtern informieren, ohne nationalsozialistischem Gedankengut eine größere Bühne zu verleihen, es gibt methodische Anregungen, die für Lehrkräfte und außerschulische Multiplikatoren eine Ergänzung für ihre Arbeit bieten“.
Im Übrigen wird in der juristischen Diskussion nach Wegen gesucht, die Veröffentlichung unkommentierter Ausgaben von „Mein Kampf“ trotz des Erlöschens der Urheberrechte zu unterbinden. Als eine Möglichkeit gilt dabei die Berufung auf das strafrechtliche Verbot der Volksverhetzung nach Paragraph 130 des Strafgesetzbuches.

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