17. Jahrgang Nr. 1 / 31. Januar 2017 | 4. Schwat 5777

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Gründung

In Deutschland gibt es seit Dezember eine neue jüdische Studentenorganisation: die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD). Die JSUD versteht sich als bundesweite, religiös und politisch pluralistische Vertretung jüdischer Studierender und junger jüdischer Erwachsener im Alter von 18 bis 35 in der Bundesrepublik.
Die Gründung der JSUD erfolgte in Berlin während des Gemeindetages des Zentralrats der Juden in Deutschland. Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster begrüßte die Gründung und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, der neue Verband werde den jungen jüdischen Erwachsenen eine neue Stimme verleihen.
Die JSUD will sich nicht nur im Kampf gegen den Antisemitismus engagieren und nichtjüdische Studenten für jüdische Themen sensibilisieren, sondern auch jüdisches Bewusstsein und Solidarität unter den jüdischen Studentinnen und Studenten fördern. Zudem ist die Teilnahme am interkulturellen und interreligiösen Dialog geplant. Über diese Aufgaben hinaus will die JSUD junge Juden zu aktiver Teilnahme am Leben der jüdischen Gemeinden ermuntern.
Anfang Januar wurde die JSUD als Mitglied in den Weltverband jüdischer Studenten (World Union of Jewish Students) aufgenommen. Für März 2017 sind eine Urwahl des Vorstands und eine Vollversammlung geplant. Bis dahin agieren die fünf Gründungsmitglieder als Vorstand und bauen die Organisationsstrukturen weiter auf.

Verstorben

Am 10. Januar ist der ehemalige Bundespräsident und Ex-Präsident des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Roman Herzog verstorben. Der Zentralrat der Juden in Deutschland bekundete seine Trauer über Herzogs Tod und erklärte, der Altbundespräsident sei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eng verbunden gewesen. Der Zentralrat hatte Herzog für dessen Engagement 1998 mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet.
Als Bundespräsident betonte Herzog in vielen Reden die Singularität der Schoa. Auch war er es, der 1996 den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, proklamierte und damit weltweit ein wegweisendes Zeichen setzte. Im Jahr 2005 ging dieser Gedenktag im Internationalen Holocaust-Gedenktag auf.
„Altbundespräsident Herzog hat mit seiner klaren Haltung und seinem Engagement viel zur Versöhnung zwischen der deutschen Mehrheitsgesellschaft und der jüdischen Gemeinschaft sowie zwischen Deutschland und Israel beigetragen“, erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster. „Das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen war ihm immer ein Herzensanliegen. Bis heute haben viele seiner Worte ihre Gültigkeit nicht verloren.“

Hessen

Im Dezember billigte der hessische Landtag den neuen Staatsvertrag zwischen dem Land Hessen und den jüdischen Gemeinden. Der Vertrag gilt für die Jahre 2017 bis 2021 und sichert sowohl dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen als auch der eigenständigen Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main finanzielle Unterstützung durch den Staat zu. Dem hessischen Landesverband gehören zehn jüdische Gemeinden an, und zwar in Darmstadt, Kassel, Limburg-Weilburg, Marburg/Lahn, Wiesbaden, Fulda, Gießen, Offenbach, Bad Nauheim und Hanau.

Gelsenkirchen

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, wurde von Bundespräsident Joachim Gauck für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet: Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepu­blik Deutschland übergab ihr Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke im Amtssitz der Bezirksregierung Münster. Klenke unterstrich, Judith Neuwald-Tasbach mache jüdisches Leben in Gelsenkirchen seit Jahrzehnten tatkräftig und erfolgreich sichtbar und erlebbar. Damit sei es ihr gelungen, traditionelle jüdische Werte zu erhalten, die von nachfolgenden Generationen weiter gelebt würden. Judith Neuwald-Tasbachs Vater, Kurt Neuwald, war Gründer und Vorsitzender sowie später dann Vorstandsmitglied der Gemeinde.

Ulm

Im Dezember 2012 wurde in Ulm die neue Synagoge feierlich eingeweiht. Zum fünften Geburtstag Ende dieses Jahres hoffen die Gottesdienstbesucher, eine neue Torarolle einbringen zu können. Die Rolle wird bereits in Israel von einem Toraschreiber (Sofer) geschrieben. Die Entwicklung der Gemeinde machte den Auftrag für eine weitere Torarolle dringend erforderlich. Wie der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik erklärte, ist die Synagoge an Feiertagen mit bis zu 270 Besuchern übervoll. Die Ulmer Gemeinde ist Teil der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs.