16. Jahrgang Nr. 12 / 16. Dezember 2016 | 16. Kislew 5777

Umfassendes Angebot

Das Kulturprogramm des Zentralrats für das Jahr 2017 fördert so viele Künstler wie nie zuvor

V or kurzem hat der Zentralrat der Juden in Deutschland sein Kulturprogramm für das Jahr 2017 veröffentlicht. Im kommenden Jahr werden mehr Künstler in die Förderung durch den Zentralrat aufgenommen, als es je zuvor der Fall war. Das Programm ermöglicht es den jüdischen Gemeinden, die angebotenen, vom Zentralrat finanzierten Künstler und Veranstaltungen zu bestellen und damit das Kulturangebot, das sie ihren Mitgliedern zur Verfügung stellen, zu erweitern.
An den Grundsätzen des seit zwölf Jahren angebotenen Programms hat sich auch diesmal nichts geändert. Gefördert werden Kulturangebote wie Konzerte, Aufführungen oder Ausstellungen, die jüdische Motive aufgreifen. Veranstaltungen, die keinen Bezug zu jüdischen Themen haben, können auch dann nicht gefördert werden, wenn die Künstler selbst jüdisch sind. Zugleich fördert der Zentralrat gezielt Kulturschaffende, die in Deutschland tätig sind. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur weiteren Stärkung jüdischer Kultur made in Germany. Das ist, wohlgemerkt, kein Hindernis für die Zusammenstellung eines hochqualitativen Programms. Die jüdische Kunst- und Kulturszene in der Bundesrepublik ist heute so reichhaltig, dass für das Kulturprogramm eine Vielfalt von Angeboten zur Auswahl steht. So konnte auch diesmal trotz der Rekordzahl der geförderten Künstler nur ein Teil der Bewerbungen berücksichtigt werden.
Eine wichtige Entscheidungshilfe war dabei der Dialog mit den Gemeinden. Bei einer Wiederaufnahme von Veranstaltungen, die in den Vorjahren im Programm waren, sind die Bewertungen, die die Gemeinden nach jeder Veranstaltung an den Zentralrat einsenden, von großer Bedeutung. Auch 2017 sind diese Rückmeldungen nicht nur aus formalen Gründen erforderlich, sondern werden die Struktur des nächsten Jahresprogramms mitprägen.
Eines der Ziele des Förderkatalogs ist es, neben Bewährtem auch Neues aufzunehmen. Die Grundstrukturen bleiben aber stabil. So bildet Kantoralmusik (Chasanut) auch 2017 einen Schwerpunkt des Kulturprogramms. Hier werden sieben Veranstaltungen angeboten, bei denen nicht nur Gesang, sondern auch Wissensvermittlung eine zentrale Rolle spielt. Beispielsweise führt das Synagogal Ensemble Berlin um Kantor Isaac Sheffer das Publikum in die Welt osteuropäischer Synagogalmusik ein. Allerdings steigen nicht nur Kantoren, sondern auch Rabbiner auf die Bühne: der Leipziger Gemeinderabbiner und Bassgitarrist Zsolt Balla und der in Berlin lebende Rabbiner Daniel Fabian präsentieren unter dem Titel „Durch das jüdische Jahr“ Lieder und Geschichten zu jüdischen Feiertagen.
Umfassend vertreten ist in dem Kulturprogramm unterhaltende Klassik. Zu den Neuzugängen gehört 2017 die Sopranistin Talia Or. In Israel geboren und in Deutschland aufgewachsen, ist sie eine international anerkannte Sängerin und unter anderem bereits in der Mailänder Scala aufgetreten. Im Rahmen des Kulturprogramms bietet die Musikerin das Konzert „Der Tanz unter dem Galgen“ an. Dabei werden Musikstücke von Komponisten aufgeführt, die im Nazi-Deutschland verfemt waren.
Die zunehmende Bedeutung des interkulturellen Dialogs in Deutschland, bei dem der Zentralrat ein engagierter Partner ist, kommt auch im Kulturprogramm 2017 zum Ausdruck, unter anderem durch das Projekt Sistanagila. Bei diesem haben sich in Berlin lebende israelische und iranische Musikerinnen und Musiker zusammengetan, um einen musikalischen Dialog zu führen. Zum Abschluss ihres Konzerts werden in eigens für das Programm komponierten Stücken Elemente der Klezmertradition und sefardischen Musik mit persischer Musik verschmolzen. Sefardische Musik bietet das neu ins Kulturprogramm aufgenommene, aber bereits seit 15 Jahren bestehende Ensemble Asamblea Mediterranea – was aber nicht bedeutet, dass die bei den Gemeinden unverändert beliebte Klezmermusik zu kurz kommen würde: Sie ist auch im kommenden Jahr prominent vertreten.
Mit gleich vier Angeboten ist die Kategorie „Ausstellungen“ bestückt. Unter dem Titel „Nashim“ (hebräisch für „Frauen“) hat der Fotograf Rafael Herlich Frauen – Holocaust-Überlebende, Berufstätige sowie auch Studentinnen und Soldatinnen – porträtiert. 30 dieser Porträts können in den Gemeinden gezeigt werden. Mit dem Problem der Widersprüche und Stereotype im Migrationsprozess beschäftigt sich die Ausstellung „(Zer)Spiegelte Welten“. Zwei Fotoausstellungen widmen sich dem jüdischen Leben in Nachbarländern: in Polen und in der Schweiz.
Das gesamte Kulturprogramm 2017 ist im Internetauftritt des Zentralrats unter http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/35.kulturprogramm.html aufrufbar. Weiterführende Anfragen können an den Zentralrat unter kultur@zentralratdjuden.de gerichtet werden.

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