16. Jahrgang Nr. 12 / 16. Dezember 2016 | 16. Kislew 5777

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Verpflichtung

Bei einem Fachgespräch der Bundestagfraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Thema Antisemitismus erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, Antisemitismus sei nicht nur eine Gefahr für Juden, sondern bedrohe die gesamte Gesellschaft. „Er ist ein Angriff auf all die Werte, die wir in jahrhundertelanger mühseliger Arbeit etabliert haben: Freiheit, Toleranz und Gleichheit“, betonte der Zentralratspräsident. Die Bekämpfung des Antisemitismus sei eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung. Dabei äußere sich Antisemitismus nicht immer in Aussagen und Taten, die eine offene Feindschaft gegenüber Juden erkennen ließen, sondern häufig in versteckteren, subtileren Formen.

Nürnberg

Im November fand im neuen Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg die jährliche PT Convention, eine internationale Konferenz für junge jüdische Erwachsene, statt. Bei der von der Jewish Agency for Israel, der Europäischen Janusz Korczak Akademie und der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg veranstalteten Konferenz waren rund 300 Teilnehmer, hauptsächlich aus Deutschland, dabei. Die diesjährige Tagung stand unter dem Motto „70 Jahre nach den Nürnberger Prozessen: Erinnerung und zivilgesellschaftliches Engagement“. Während der Konferenz erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse hätten einen ersten Meilenstein in der juristischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen bedeutet. Oberstaatsanwalt Jens Rommel, Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, bot einen historischen Überblick über die strafrechtliche Verfolgung von NS-Tätern in der Bundesrepu­blik.

Augsburg

Die Runderneuerung der Augsburger Synagoge rückt näher. Nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages sechs Millionen Euro für diesen Zweck bewilligt hat, beschloss auch die bayerische Regierung, das Vorhaben zu unterstützen. Zunächst will die Landesregierung die Kosten des Umbauprojekts schätzen. Die 1917 eingeweihte Synagoge überstand zwar die „Reichskristallnacht“ im Jahr 1938, doch sind im Lauf der Zeit erhebliche Schäden an der Bausubstanz entstanden, die auch durch eine Renovierung vor drei Jahrzehnten nicht ganz behoben wurden. Ohne eine Runderneuerung, so der 1. Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg, Alexander Mazo, müsse das Gebäude bald geschlossen werden.

Köln

Das geplante jüdische Museum in Köln soll den Namen „Miqua“ erhalten. Das hat der für den Museumsbau zuständige gemeinsame Lenkungsausschuss der Stadt Köln und des Landschaftsverbands Rheinland beschlossen. Der Name ist ein Kürzel für „Museum im Quartier“. Dabei lehnt er sich an das Wort „Mikwe“ –
jüdisches Ritualbad – an, nimmt aber auch das weltweit als „Moma“ bekannte New Yorker Museum für moderne Kunst zum Vorbild.