16. Jahrgang Nr. 12 / 16. Dezember 2016 | 16. Kislew 5777

Zum sechsten Mal

Ordination und Investitur des Abraham Geiger Kollegs in Hannover gefeiert

Von Heinz-Peter Katlewski

Am 1. Dezember fand in der Synagoge des Kultur- und Gemeindezentrums Etz Chaim der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover eine Ordinations- und Investiturzeremonie statt. Dabei erhielten zwei Absolventen des Abraham Geiger Kollegs, Lior Bar-Ami und Ariel Pollak, ihr Rabbinerdiplom, das ihnen von Rabbiner Prof. Dr. Walter Jacob dem Präsidenten des Kollegs, im Beisein des Vorsitzenden der Allgemeine Rabbinerkonferenz, Rabbiner Dr. h. c. Henry G. Brandt, und zahlreicher anderer Rabbiner überreicht wurde. Zugleich wurde Assaf Levitin in sein Amt als Kantor berufen.
An dem Festakt nahmen unter anderem der niedersächsische Ministerpräsident Stefan Weil, der Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Abraham Lehrer, die Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland, Sonja Guentner, und die Vorsitzende der Europäischen Union für progressives Judentum, Miriam Kramer (London), teil.
In seinem Grußwort brachte Lehrer seine Genugtuung darüber zum Ausdruck, dass Ordinationsfeiern in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland im 21. Jahrhundert beinahe eine Selbstverständlichkeit geworden seien: In Hannover feierte das Abraham Geiger Kolleg bereits seine sechste Ordination. Lehrer betonte, angesichts der überschaubaren Größe der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und des wachsenden Antisemitismus gebe es keine Alternative zum Prinzip „Einheit in der Vielfalt“ unter dem Dach des Zentralrats. Deshalb gehöre es zum Selbstverständnis des Zentralrats, quasi zu seiner „Staatsräson“, alle relevanten Strömungen des Judentums ideell ebenso wie finanziell zu unterstützen. Lehrer würdigte die Absolventen und beglückwünschte sie.
Niedersachsens Ministerpräsident Weil dankte dem Abraham Geiger Kolleg und dem Institut für Jüdische Theologie an der Universität Potsdam, insbesondere Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka, dafür, die Rabbinerausbildung in Deutschland mit initiiert zu haben. Ministerpräsident Bodo Ramelow zeigte sich erfreut, dass jüdisches Leben nach Deutschland zurückgekehrt sei und mittlerweile Rabbiner und Kantoren sogar für andere Länder Europas ausgebildet würden. Sonja Guentner gratulierte den Absolventen und dankte für die qualifizierte Ausbildung von Rabbinern und Kantoren.
Rabbiner Bar-Ami, den sein Lebensweg von einem Studium der angloamerikanischen Literatur- und Kulturwissenschaft über ein Studienjahr an der konservativen Jeschiwa in Jerusalem bis an das Abraham Geiger Kolleg geführt hatte, wird künftig in den liberalen Gemeinden von Wien und in Toulouse amtieren. Rabbiner Pollak, der vor dem Rabbinerstudium Semitische Sprachen und Vergleichende Religionswissenschaft studierte, wird der Liberalen jüdischen Gemeinde in Budapest als Rabbiner dienen.
Assaf Levitin bleibt Niedersachsen verbunden. Er wird Kantor der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Der Bassbariton hat vor dem Kantorenstudium in Tel Aviv und Saarbrücken Gesang studiert und ist schon länger sowohl als Konzert- und Opernsänger als auch als Komponist, Arrangeur, Dirigent, Lehrer und Kantor tätig. Er ist Gründer des in jüdischen Gemeinden bekannten Ensembles „Die Drei Kantoren“ und Leiter des Berliner Shalom Chors.