16. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2016 | 29. Heshvan 5777

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Berlin

In Berlin ist im Alter von 94 Jahren Rabbiner Nathan Peter Levinson verstorben. Der 1921 in Berlin geborene Levinson flüchtete im Jahr 1941 mit seiner Familie vor den Nazis in die USA, wo er zum Rabbiner ordiniert wurde. 1950 kam er nach Deutschland zurück, wo er unter anderem als Militärrabbiner der US-Armee diente. 1961 ließ er sich in Heidelberg nieder und wurde Gemeinde­rabbiner der Jüdischen Gemeinde Mannheim. Er war zudem fast
20 Jahre lang Vorsitzender des Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit und engagierte sich für die Gründung der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg.
„Nathan Peter Levinson war einer der renommiertesten Rabbiner im Nachkriegsdeutschland“, erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster. „Trotz der schrecklichen Erfahrungen in der Nazizeit war Rabbiner Levinson bereit zur Versöhnung und ging mit großer Offenheit auf die nichtjüdischen Deutschen zu. Ebenso baute er Brücken zwischen liberalem und orthodoxem Judentum sowie zwischen Christen und Juden. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland verdankt ihm außerordentlich viel. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.“

Bamberg

Ende Oktober wurde an der Universität Bamberg der Bachelor-Studiengang „Jüdische Studien“ feierlich eröffnet. Bisher wurde Judaistik nur als Nebenfach angeboten. Nunmehr, so die Universität, sei Bamberg die die einzige bayerische und eine von nur sechs Universitäten in ganz Deutschland, die Kenntnisse über das Judentum in einem breiten religions-, kultur- und literaturwissenschaftlichen Kontext vermittele. Neben Bibelhebräisch und modernem Hebräisch stehe auch die Vielfalt der jüdischen Kultur- und Literaturwissenschaft im Vordergrund.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, gratulierte der Universität und erklärte: „Wir brauchen junge Menschen, die anderen Religionen und Kulturen mit Offenheit und Neugier begegnen und die als interkulturelle Botschafter wirken können.“ Dies sei insbesondere in Zeiten wachsender Intoleranz gegenüber Minderheiten von zentraler Bedeutung. Schuster lobte die Erweiterung des Lehrangebots von der Judaistik, die religiöse Schriften in ihren Mittelpunkt stelle, zu Jüdischen Studien, die darüber hinaus auch Entwicklungen in Literatur, Kunst und Kultur berücksichtigten.

Regensburg

In Regensburg wurde der Grundstein für die neue Synagoge gelegt. Bei der Zeremonie sprach die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, Ilse Danziger, ihren Dank an die Stadt Regensburg, an den Freistaat Bayern und an private Spender aus, durch deren Hilfe das Projekt möglich geworden war. Die Grundsteinlegung wurde unter anderem von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Hanna Zisler, Vizepräsidentin des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, als ein bedeutendes Ereignis gewürdigt.

Bremen

Auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Bremen wurde ein Mahnmal für die Opfer der Schoa eingeweiht. Die Einweihung fand im Beisein des sefardischen Oberrabbiners von Jerusalem und ehemaligen israelischen Oberrabbiners Rabbiner Schlomo Mosche Amar sowie des Bremer Landesrabbiners Rabbiner Netanel Teitelbaum statt.