16. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2016 | 29. Heshvan 5777

Gedenken und Dankbarkeit

Veranstaltung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern zum 9. November

Von Rozsika Farkas

Für die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) ist der 9. November ein Gedenkdatum mit besonderer Note. An diesem Tag wird, wie überall in Deutschland, der „Reichskristallnacht“ von 1938 gedacht. Am 9. November 2006 wurde aber auch die Ohel-Jakob-Synagoge eingeweiht – das Herzstück des neuen Jüdischen Zentrums in der bayerischen Hauptstadt. In diesem Jahr konnte die Synagoge ihr zehnjähriges Jubiläum feiern. So flossen das Gedenken an damals und die Freude über den Wiederaufbau ineinander.
Am Nachmittag des 9. November verlasen Münchner Schüler am Standort der 1938 zerstörten einstigen Hauptsynagoge in der Innenstadt die Namen von jüdischen Kindern und Jugendlichen, die damals Opfer der NS-Verfolgung geworden waren. Bei einer Veranstaltung der IKG wurde in der jetzigen Synagoge am St.-Jakobs-Platz ebenfalls der Opfer des Nazi-Pogroms gedacht. Im weiteren Verlauf rückten allerdings Freude und Dankbarkeit in den Vordergrund.
Den zehnten Geburtstag der Synagoge nahm die Kultusgemeinde auch zum Anlass, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel „für herausragende Verdienste um das Judentum in Deutschland, ihren entschlossenen Einsatz gegen jede Form von Antisemitismus und ihr entschiedenes Bekenntnis zum jüdischen Staat Israel“ ihre höchste Auszeichnung, die Ohel-Jakob-Medaille in Gold, zu verleihen. Dabei betonte IKG-Präsidentin Dr. h. c. Charlotte Knob­loch: „Die Bundeskanzlerin steht wie keiner ihrer Amtsvorgänger in unverrückbarer Entschlossenheit, Eindeutigkeit und Glaubwürdigkeit beherzt und kämpferisch an der Seite der jüdischen Menschen in Deutschland und des Staates Israel.“
Laudator Rabbiner Arthur Schneier von der Park East Synagoge in New York, der selbst noch hatte mitansehen müssen, wie in seiner Heimatstadt Wien die Synagoge niedergebrannt worden war, rühmte Angela Merkel als „Frau des Gewissens und der Prinzipien“, gar als „Segen für die Welt“. Die Angesprochene, sichtlich gerührt, bekräftigte ihre Verbundenheit: „Sie werden mich immer an Ihrer Seite haben.“
Heute ist das jüdische Gotteshaus eines der Wahrzeichen Münchens. Die Führungen sind regelmäßig ausgebucht, mehrere hunderttausend Besucher haben die Synagoge inzwischen besichtigt. Das zeitgleich eröffnete Gemeindehaus hat sich als ein bedeutendes kulturelles Zentrum etabliert, dessen Veranstaltungen auch von nichtjüdischen Münchnern gern besucht werden.
Zu den Anwesenden sprachen auch Rabbiner Israel Meir Lau, ehemaliger Oberrabbiner von Israel und heute Oberrabbiner von Tel Aviv, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter und Altoberbürgermeister Christian Ude. Mehrere Redner, auch die Bundeskanzlerin, erinnerten im Lauf des Abends an den Ende September verstorbenen Max Mannheimer. Die Bundeskanzlerin zitierte den Satz, den der Überlebende von Dachau und Auschwitz zu deutschen Jugendlichen immer wieder gesagt hatte: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“