16. Jahrgang Nr. 10 / 28. Oktober 2016 | 26. Tischri 5777

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

JOM KIPPUR (hebräisch): Versöhnungstag.

Jom Kippur fällt nach dem gregorianischen Kalender in den September oder Oktober und bildet den Abschluss der zehn Bußtage nach Rosch Haschana. Gemäß der jüdischen Tradition sitzt G’tt an Rosch Haschana zu Gericht über die Menschheit und über ihr Schicksal im kommenden Jahr. Das endgültige Urteil wird am heiligen Jom Kippur gefällt. Deshalb ist die Zeit zwischen diesen beiden Feiertagen Gebeten, Buße, Wohltätigkeit und Selbstprüfung vorbehalten. Dies geschieht in der Hoffnung auf ein wohlwollendes Urteil. Jom Kippur ist ein strenger Fasttag. Wir nehmen an diesem Tag weder Getränke noch Speisen zu uns. Wie an Rosch Haschana ist man auch am Jom Kippur weiß gekleidet. Man verbringt den ganzen Tag in der Synagoge.
Am Nachmittag des Vorabends vom Jom Kippur nehmen wir ein ausgiebiges, aber leichtes und nur wenig gewürztes Mahl zu uns. Man zündet Feiertagskerzen an. Den Anfang der Mahlzeit bilden rund geformte Challot, die auf dem weiß gedeckten Tisch liegen.
In der Synagoge beginnt der G’ttesdienst mit der einfühlsamen Melodie des Kol Nidre. Kol Nidre heißt übersetzt „alle Gelübde“ und bedeutet, dass alle Gelübde, die man im Blick auf die eigene Person vorschnell geleistet hat, aufgehoben werden, nicht jedoch Verpflichtungen gegenüber anderen Personen.