16. Jahrgang Nr. 9 / 30. September 2016 | 27. Elul 5776

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Jom Jeruschalajim (hebräisch): Jerusalem-Tag.

Der Jerusalem-Tag ist im jüdischen Kalender relativ neu: Er wird am 28. Ijjar begangen zum Gedenken an die Wiedervereinigung der Heiligen Stadt im Sechstagekrieg im Jahr 1967. Damals nahm die israelische Armee den zwischen 1949 und 1967 von Jordanien besetzten Teil Jerusalems ein und befreite dabei unter anderem den Tempelberg, die Westmauer und die Altstadt inklusive des jüdischen Viertels. Damit erhielten die Juden wieder Zugang zu ihren heiligsten Stätten. Gleichzeitig haben heute Menschen aller Religionen Zugang zu den Heiligtümern ihres jeweiligen Glaubens, etwa der Al-Aksa-Moschee oder der Grabeskirche.
In vielen Synagogen wird am Jerusalem-Tag das Hallel gesprochen, also die Psalmen 113 bis 118, wie es auch an traditionellen jüdischen Feiertagen üblich ist. Allerdings sehen Haredi-Kreise (ultraorthodox) im Jom Jeruschalajim generell keinen Anlass, den es zu feiern gilt. Dagegen spielt er in nationalreligiösen Kreisen eine besonders wichtige Rolle. Diese unterschiedlichen Einstellungen rühren nicht etwa von Differenzen hinsichtlich der unumstrittenen Heiligkeit Jerusalems her, sondern gehen auf unterschiedliche Auslegungen des g’ttlichen Plans für das Volk Israel zurück.