16. Jahrgang Nr. 9 / 30. September 2016 | 27. Elul 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

München

Am 23. September ist der Schoa-Überlebende Max Mannheimer im Alter von 96 Jahren in München gestorben. Der in der Tschechoslowakei geborene Mannheimer überlebte während der NS-Verfolgung unter anderem die Konzentrationslager Auschwitz und Dachau. Über diese Zeit hatte er bis zuletzt als Zeitzeuge berichtet.
Zu Max Mannheimers Tod erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster: „Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat mit großer Betroffenheit die Nachricht vom Tod Max Mannheimers aufgenommen. Er hat unendlich vielen jungen Menschen authentisch von den Schrecken der Schoa berichtet. Insbesondere für die Gedenkstätte Dachau hat sich Max Mannheimer mit Leidenschaft engagiert. Nicht nur die jüdische Gemeinschaft, sondern Deutschland insgesamt ist Max Mannheimer zu tiefem Dank verpflichtet.“

Natürlich für Israel

Am 11. September fand in Köln der Kongress des Jüdischen Nationalfonds KKL, „Natürlich für Israel“, statt. Die Schirmherrschaft hatten die Präsidentin des nordrhein-westfälischen Landtags, Carina Gödecke, Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, und der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, übernommen. Während des Kongresses wurde der Herausgeber der „Bild“-Gruppe, Kai Diekmann, für sein Engagement für Israel mit dem „Goldenen Olivenzweig“ ausgezeichnet.
Neben dem Hauptthema, „Koexistenz in Israel“, stand auch das Thema Umwelt, mit dem sich der KKL intensiv befasst, auf der Tagesordnung. Danny Atar, Weltpräsident des JNF, betonte, trotz knapper Niederschlagsmengen sei Israel das einzige Land der Welt, dessen Baumbestand expandiere.
Der Vizepräsident des Zentralrats Abraham Lehrer begrüßte die Kongressteilnehmer und ging unter anderem auf einen kürzlich in der „Tagesschau“ ausgestrahlten Beitrag ein, in dem Israel einseitig und ohne, dass israelische Vertreter um eine Stellungnahme gebeten worden waren, die Verantwortung für unzureichende Wasserversorgung in den palästinensischen Autonomiegebieten zugewiesen wurde. Lehrer kritisierte, dass nur die Position der Verleumder Israels dargestellt worden sei.

Frankfurt

Der jüdische Gebetsraum am Flughafen Frankfurt verfügt jetzt über eine Mesusa. Sie wurde Anfang September am Türpfosten des Gebetsraums angebracht. Zu diesem Ereignis war der aschkenasische Oberrabbiner Israels, Rabbiner David Lau, angereist, der die Mesusa gemeinsam mit den Frankfurter Rabbinern Julien-Chaim Soussan und Avichai Apel vorschriftsgerecht fixierte. Die Teilnahme des israelischen Oberrabbiners, so Rabbiner Apel, „ist für uns nicht nur eine besondere Ehre, sondern auch ein Zeichen, dass unsere Welt immer weiter zusammenwächst“. Michael Müller, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der Fraport AG, der ebenfalls zur Anbringung der Mesusa gekommen war, erkärte: „Als weltoffenes, international ausgerichtetes Unternehmen weiß Fraport die Vielfalt und Verschiedenheit der Menschen zu schätzen.“

Suspendierung

Der Sportverein BSC SW 1919 Frankfurt hat einen seiner Fußballspieler wegen antisemitischer Äußerungen suspendiert. Nach einem Kreisoberliga-Spiel gegen Makkabi Frankfurt schrieb der Fußballer auf seiner Facebook-Seite: „Sieg gegen die verdammten Makkabi Jahuds […] für Palestina“. Den Ausfall ahndete der Verein prompt. In einer Erklärung des Klubs heißt es: „Antisemitisches, rassistisches und fremdenfeindliches Gedankengut tolerieren wir in keiner Weise und verachten es zutiefst. Wir haben den Betroffenen sofort vom Verein ausgeschlossen. Wir stehen für Toleranz und Integration und ein einzelner Spieler kann und soll diese Werte nicht beschädigen können.“ Der Präsident von Makkabi Deutschland, Alon Meyer, lobte die Reaktion des Vereins, der vorbildlich reagiert habe.

Gelsenkirchen

Der FC Schalke 04 hat ein Zeichen der Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen gesetzt. Nachdem im August eine Fensterscheibe der Neuen Synagoge eingeworfen worden war, stattete der Finanzvorstand von Schalke 04, Peter Peters, der Gemeinde am 7. September einen Besuch ab. Peters erklärte: „Wir stehen an der Seite der Jüdischen Gemeinde. Der FC Schalke 04 verurteilt die Attacke, die im August auf die Neue Synagoge verübt wurde, auf das Schärfste.“ Der Schalke-Vorstand lud die Jugendgruppe der Gemeinde ein, ein Heimspiel des Fußball-Bundesligisten zu besuchen. Die Gemeindevorsitzende Judith Neuwald-Tasbach betonte, ein Anschlag auf ein Gotteshaus, egal welchen Glaubens, sprenge jeden Rahmen.