16. Jahrgang Nr. 8 / 26. August 2016 | 22. Aw 5776

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Jom Huledet (hebräisch): Geburtstag.

In der biblischen Zeit wurde der Geburtstag unter Juden wohl nicht begangen. Im Tenach wird nur der Geburtstag des Pharaos im Rahmen der Josef-Geschichte erwähnt (1. Buch Mose 40:20), und zwar als der ägyptische Herrscher an seinem Geburtstag ein Fest für seinen Hofstaat gibt. Im Talmud (Kidduschin) werden Gelehrte genannt, deren Geburtstag auf den Todestag eines anderen Gelehrten fällt. Dies wird als ein Beweis dafür gedeutet, dass kein Gerechter stirbt, bevor ein anderer Gerechter wie er selbst erschaffen worden ist, und zwar im Einklang mit den Worten aus dem Buch Kohelet „Die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter“.
Trotzdem waren Geburtstagsfeiern kein jüdischer Brauch. In der heutigen Zeit aber begehen Juden ihren Geburtstag oder feiern den Geburtstag ihrer Familienangehörigen und Freunde. Allerdings richten sich traditionelle Juden dabei meistens nur nach dem jüdischen Datum. Es gibt Rabbiner, die empfehlen, an diesem Tag mehr Zeit dem Tora-Studium zu widmen, Tehillim (Psalmen) zu lesen und Extrageld für Wohltätigkeitszwecke zu spenden. Allerdings sind Geburtstagsfeiern in gesetzestreuen Kreisen nicht universell.