16. Jahrgang Nr. 8 / 26. August 2016 | 22. Aw 5776

Raueres Klima

Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster nahm zu Problemen des Rechtsextremismus und der Flüchtlingspolitik Stellung

Aktuelle Probleme des Rechtsextremismus und Fragen der Integrationspolitik für Flüchtlinge standen im Mittelpunkt eines Beitrags, den der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, für die Münchner Kirchenzeitung verfasst hat.
In seinem Beitrag erinnerte der Zentralratspräsident daran, dass die Zahl rechtsextremer Straf- und Gewalttaten in Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht habe. Vor allem hätten Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte um ein Vielfaches zugenommen. Das zeige, dass das gesellschaftliche Klima in Deutschland rauer werde.
Dr. Schuster erklärte: „Das Land driftet nach rechts. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist gefährdet. Es ist bitter, diese Entwicklung als Realität anzuerkennen. Denn im vergangenen Jahr haben so viele Menschen wie nie zuvor in einem Jahr bei uns Zuflucht gesucht –
gerade weil Deutschland ein sicherer und demokratischer Rechtsstaat ist. Und seit dem vergangenen Jahr erleben wir eine Willkommenskultur, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte und die mich bis heute sehr berührt.“
Die Flüchtlinge, die jetzt in der Bundesrepublik lebten, so Dr. Schuster ferner, brauchten weiterhin Unterstützung. Aus der Erfahrung der Neunzigerjahre mit den damals neuen jüdischen Gemeindemitgliedern aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sei bekannt: Je schneller die Neuankömmlinge Deutsch lernen und eine Arbeit finden, desto besser.
Der Zentralratspräsident führte aus: „Wir möchten, dass die, die Asyl erhalten, Bürger dieses Landes werden. Das bedeutet, unsere Wertvorstellungen und unsere Kultur anzuerkennen, die ‚kulturelle Erbschaft‘ Deutschlands nicht auszuschlagen, wie Bundespräsident Joachim Gauck es ausgedrückt hat. Er hat gesagt: ‚Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz‘“.
Für die jüdische Gemeinschaft seien Null Toleranz für Antisemitismus, die Erinnerung an die Schoa, das Anerkennen der deutschen Verantwortung und das Eintreten für das Existenzrecht Israels zentrale Werte, die jeder Bürger in Deutschland verinnerlichen sollte – egal, welcher Herkunft und Religion.

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