16. Jahrgang Nr. 8 / 26. August 2016 | 22. Aw 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Erfassung

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, hat sich für eine bundesweite Erfassung antisemitischer Übergriffe ausgesprochen. Dabei soll die in Berlin tätige und für Berlin zuständige Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) als Modell dienen. Die RIAS bietet Betroffenen und Zeugen die Möglichkeit, unbürokratisch über antisemitische Vorfälle zu berichten. Nach Verifizierung werden die Berichte in die von der Organisation erstellte Statistik aufgenommen.
RIAS wurde im Januar 2015 gegründet und hat seitdem mehr als 400 Vorfälle registriert. Die Berichte über antisemitische Vorkommnisse können über den Internetauftritt von RIAS auf Deutsch, Russisch und Englisch eingereicht werden (https://report-antisemitism.de/#/home)

München

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Dr. h. c. Charlotte Knobloch, wünscht sich, dass die Mitgliederzahl der Gemeinde in den kommenden Jahren wieder auf den vor der NS-Verfolgung verzeichneten Stand von rund 11.000 Personen steigt. Das hat die Gemeindepräsidentin in Medieninterviews erklärt. Gegenwärtig, so Dr. h. c. Knobloch, zähle die IKG 9600 Mitglieder.
Charlotte Knobloch steht an der Spitze ihrer Gemeinde seit 1985. Im vergangenen Monat wurde sie bei den Gemeindewahlen in ihrem Amt klar bestätigt. Zu Vizepräsidenten der IKG bestimmte der Gemeinvorstand Ariel Kligman und Yehoshua Chmiel.
Als wichtige Aufgaben der Gemeinde bezeichnete die Präsidentin die für das kommende Schuljahr geplante Eröffnung – oder genauer: Wiedereröffnung – des Jüdischen Gymnasiums sowie die Fertigstellung eines Elternheims im Prinz-Eugen-Park. Zudem müssten die Jugend- und die Sozialarbeit der Gemeinde intensiviert werden.

Dialog

In München wurde ein Rat der Religionen gegründet, der den Dialog zwischen verschiedenen Religionen fördern und extremistischem Gedankengut entgegenwirken soll. In dem Forum sind die evangelischen, griechisch-orthodoxen, katholischen und koptischen Christen sowie Aleviten, Buddhisten, Juden und Muslime vertreten. In dem neunköpfigen Sprecherrat der Dialogplattform ist von jüdischer Seite die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern vertreten, der Vollversammlung gehört auch die Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom an.

Veteranen

In Bad Kissingen fand kürzlich ein Treffen des Bundesverbandes der Veteranen, Ghetto- und KZ-Gefangenen sowie der Überlebenden der Leningrader Blockade statt. An der vom Zentralrat der Juden in Deutschland und von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland geförderten Veranstaltung nahmen 50 Teilnehmer aus 22 Städten teil.
Bei dem Treffen berichtete der Vorsitzende des Bundesverbandes, Petro Feldman, über die Tätigkeit der Organisation in den letzten zwei Jahren. Anschließend fand eine Aussprache über den Bericht statt. Dabei würdigten die Teilnehmer Feldmans Engagement und die zahlreichen Aktivitäten des Bundesverbandes.
Gleichzeitig fand ein Wechsel an der Spitze des Bundesverbandes statt. Nachdem Petro Feldman den Wunsch geäußert hatte, den Vorsitz des Verbandes aufzugeben, wurde Alexander Reznichyi zum neuen Vorsitzenden gewählt. Feldman selbst sowie Evgeny Karchemnik wurden als Stellvertreter des Vorsitzenden bestimmt.

Düsseldorf

Das Jüdische Gymnasium in Düsseldorf wurde rechtzeitig vor Beginn des Schuljahrs offiziell genehmigt. Der Düsseldorfer Regierungsvizepräsident Roland Schlapka hat der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf den Genehmigungsbescheid für die Errichtung und den Betrieb des Albert-Einstein-Gymnasiums übergeben. Die Lehranstalt – sie ist das erste jüdische Gymnasium in Nordrhein-Westfalen – nimmt ihren Betrieb zum Schuljahr 2016/2017 auf. Sie werde, so Schlapka, das Angebot an Schulen in Düsseldorf ergänzen und bereichern.

Rückzug

Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK) hat angekündigt, die Lehrveranstaltung „Zur sozialen Lage der Jugendlichen in Palästina“ aus ihrem Lehrprogramm zu streichen. Das Seminar war wegen der Verbreitung extrem antiisraelischer Inhalte – bis hin zu dem Blutmärchen, die israelische Armee raube von Palästinensern Organe für Transplantationen – in heftige Kritik geraten. Unter anderem hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajic, gebeten, eine Streichung des Seminars zu erwirken.
Nunmehr beschloss die Hochschule, dieser Forderung nachzukommen. Parallel dazu wird auch die Lehrveranstaltung „Zur sozialen Lage der Jugendlichen in Israel“ gestrichen. Statt der beiden Seminare soll, so die HAWK, im kommenden Wintersemester 2016/2017 ein neues Lehrformat zum Thema „Nahost-Konflikt und Soziale Arbeit“ angeboten werden.