16. Jahrgang Nr. 7 / 28. Juli 2016 | 22. Tammus 5776

Anerkannt

Die jüdische Gemeinschaft im indischen Bundesstaat Maharashtra erhält offiziellen Minderheitenstatus

Dass die jüdische Bevölkerungsgruppe in Maharashtra zahlenmäßig besonders ins Gewicht fällt, wird man kaum sagen können. Nur rund 2000 bis 2500 der 118 Millionen Einwohner des westindischen Bundesstaates, dessen Hauptstadt Mumbai ist, gehören der jüdischen Gemeinschaft an. Das sind circa 0,02 Promille. Dennoch machten die Juden von Maharashtra kürzlich Schlagzeilen. Der Grund: Die Regierung des Bundesstaates hat beschlossen, ihnen den Status einer religiösen Minderheit zuzuerkennen – neben den Moslems, den Christen, den Buddhisten, den Sikhs, den Parsen und den Jainas.
So klein sich die jüdische Gemeinschaft in Maharashtra an der Gesamteinwohnerzahl gemessen ausnehmen mag, so stellt sie doch rund die Hälfte der schätzungsweise rund 5000 in Indien lebenden Juden. Auch deshalb wurde dem Regierungsbeschluss besondere Beachtung geschenkt, wenngleich Maharashtra nicht der erste indische Bundesstaat ist, der den Juden den offiziellen Minderheitsstatus eingeräumt. Das war vor einem Jahrzehnt Westbengalen, wo aber nur etwa 40 Juden leben.
Als offizielle Minderheit kommt die jüdische Gemeinschaft nunmehr in den Genuss von Fördermaßnahmen, etwa im Erziehungsbereich, wie sie auch anderen Minderheiten zustehen. Es könnte sich aber auch um andere Anliegen handeln. So erklärte der Chabad-Rabbiner in Mumbai, Israel Kozlovsky, gegenüber der indischen Zeitung The Hindu, die Pflichtteilnahme jüdischer Schüler an Schulprüfungen am Samstag, also am Schabbat, schaffe aus jüdischer Sicht ein Dilemma. „Es wäre gut, wenn etwas in dieser Beziehung getan werden könnte“, meinte Kozlovsky. Jonathan Solomon, Vorsitzender der Indisch-Jüdischen Föderation mit Sitz in Mumbai, lobte die Entscheidung und erklärte, sie werde zur Stärkung der jüdischen Gemeinschaft beitragen.
Die Reaktionen der indischen Juden auf den Beschluss von Maharashtra gehen aber weit über praktische Fragen hinaus. Vielmehr sehen sie darin die Anerkennung der Zugehörigkeit der jüdischen Gemeinschaft zu Indien. Der Präsident der Shaarei-Rason-Synagoge in Mumbai, Judah Samuel, erklärte, die Juden fühlten tiefe Verbundenheit und Realität zu Indien, das Juden vor fast 2500 Jahren aufgenommen habe und eines der wenigen Länder der Welt sei, das Juden niemals verfolgt habe. Ezekiel Isaac Malekar, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in New Delhi, brachte die Hoffnung zum Ausdruck, nunmehr werde auch die Bundesregierung dem Beispiel Maharashtras folgen und den Juden den offiziellen Minderheitenstatus in ganz Indien zuerkennen.
Als die älteste jüdische Gruppe in Indien gelten die sogenannten Malabar-Juden. Einer Hypothese zufolge waren deren Vorfahren bereits in salomonischer Zeit nach Indien gekommen. Im Lauf der Zeit kamen weitere Gruppen hinzu, darunter sefardische Juden aus Europa im 17. Jahrhundert sowie die sogenannten Bagdader Juden vor rund 250 Jahren. Im Jahr 1948 lebten in Indien rund 25.000 bis 30.000 Juden. Die meisten von ihnen wanderten später nach Israel aus.

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