16. Jahrgang Nr. 7 / 28. Juli 2016 | 22. Tammus 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Darmstadt

Moritz Neumann, langjähriger Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, ist im vergangenen Monat gestorben. Er war 68 Jahre alt.
Neumann, von Beruf Journalist, engagierte sich auch außerhalb der jüdischen Gemeinschaft und war Mitglied des Rundfunkrats des Hessischen Rundfunks sowie Gründungsmitglied der Landesanstalt für privaten Rundfunk in Kassel. Viele Jahre gehörte er zudem dem Stadtrat von Darmstadt an. Über seine journalistische Tätigkeit hinaus hatte er sich auch als Buchautor einen Namen gemacht. Für seine Verdienste wurde Neumann unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und der Wilhelm-Leuschner-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Landes Hessen, geehrt.
Zum Tod von Moritz Neumann erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster: „Moritz Neumann sel. A. war lange Zeit das Gesicht und die Seele der Jüdischen Gemeinschaft Hessens. Mit Leidenschaft kämpfte er für die Belange der jüdischen Gemeinschaft und gegen Antisemitismus. Der begnadete Erzähler und Journalist war mit seinem Wissen und seinem Esprit stets eine Bereicherung. Sein Tod ist ein herber Verlust. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.“

Nürnberg

Die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg hat ihr neues Gemeindezentrum fertiggestellt. In dessen Mittelpunkt steht ein Veranstaltungssaal für bis zu 290 Menschen. An den Saal schließen sich Klassenzimmer für mehr als 100 Schüler sowie Büroräume an. Auf einer Glaswand sind die Namen bekannter Nürnberger Juden notiert.
Der Veranstaltungssaal wurde nach dem langjährigen, 2013 verstorbenen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, Arno Hamburger, benannt. Hamburger hatte den Bau eines neuen Gemeindezentrums im Jahr 2009 angeregt. Das Vorhaben wurde notwendig, da die alten Räumlichkeiten keinen ausreichenden Platz für die Arbeit der durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion stark gewachsenen Gemeinde mehr bieten konnten. Heute zählt die Gemeinde rund 2100 Mitglieder.

München

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. h. c. Charlotte Knobloch, wurde mit dem Eugen-Biser-Preis ausgezeichnet. Wie die Eugen-Biser-Stiftung in München mitteilte, wurde Dr. h. c. Knobloch für ihren Beitrag einer zukunftsorientierten Erneuerung jüdischen Lebens im Deutschland der Nachkriegszeit bis heute geehrt. Bei der für September geplanten Preisverleihung soll Bundestagspräsident Prof. Norbert Lammert die Laudatio halten. Mit dem Preis werden Persönlichkeiten des öffentlichen und akademischen Lebens geehrt, die sich um die Werte nachhaltig verdient gemacht haben, für die der katholische Theologe, Religionsphilosoph und Priester Eugen Biser eingetreten ist: die Freiheit des Individuums, der Respekt der Menschenwürde, das gesellschaftliche Zusammenleben in dialogischer Toleranz und die friedensfördernde Bedeutung der Religionen in der Gegenwart.

Wien/Potsdam

Rabbiner Prof. Walter Homolka wurde mit dem Großen Verdienstorden mit Stern der Republik Österreich ausgezeichnet. Der Orden wurde ihm am 4. Juli vom österreichischen Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien, Thomas Drozda, überreicht. Rabbiner Homolka, Rektor des Abraham Geiger Kollegs, Direktor des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks und Vorsitzender der Leo Baeck Foundation, wurde für seine Verdienste um die Kunst- und Kulturbeziehungen zwischen Österreich und Deutschland ebenso wie für seine Leistungen als Begründer des Fachs Jüdische Theologie an einer deutschsprachigen Universität – der Universität Potsdam im Jahr 2013 – geehrt.

Konstanz

Sieben Mitglieder der Synagogengemeinde Konstanz haben ihre Bar-Mizwa-Feier nachgeholt. Den meisten von ihnen war es in der damaligen Sowjetunion nicht möglich, mit
13 Jahren das Erreichen des Bar-Mizwa-Alters entsprechend feierlich zu begehen. Die meisten der „Bar-Mizwa-Jungen“ sind heute 70 Jahre oder älter. Gemeinderabbiner Avigdor Stern hatte sie in einem Vorbereitungskurs mit Pflichten eines religiös mündigen Juden und anderen religiösen Themen vertraut gemacht.