16. Jahrgang Nr. 6 / 24. Juni 2016 | 18. Siwan 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Auszeichnung

Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hat beschlossen, die Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden (KLAK) mit der Buber-Rosenzweig-Medaille 2017 auszuzeichnen. Die Auszeichnung wird zum Auftakt der Woche der Brüderlichkeit am 5. März 2017 in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Die KLAK wurde 1978 als Zusammenschluss von Arbeitsgruppen, Ausschüssen und Beauftragten in den 18 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründet. In dem Verleihungsbeschluss erklärt der Koordinierungsrat, die KLAK habe sich seit Jahrzehnten entschlossen und kompetent der Aufarbeitung kirchlicher Judenfeindschaft in Theologie und Praxis gewidmet und das Verhältnis von Theologie und Kirche zum Judentum mitgestaltet.

Esslingen

Am 7. Juni wurde in Esslingen eine neue Torarolle ins Gemeindezentrum der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg eingebracht. Die Erstellung der Rolle wurde durch Spenden ermöglicht, unter anderem von Esslinger Kirchengemeinden und Moscheevereinen. Unter den zahlreichen Gästen aus dem öffentlichen Leben nahmen auch Vertreter der insgesamt 18 an der Spendenaktion beteiligten Vereine und Organisationen teil. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha, Esslingens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger sowie – stellvertretend für die Teilnehmer der Spendeninitiative – das Esslinger Kreistags- und Gemeinderatsmitglied Wolfgang Drexler trugen jeweils einen Buchstaben zur Vollendung der Torarolle bei.
Barbara Traub, Vorstandsvorsitzende der IRGW und Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, würdigte die Spendeninitiative als ein Zeichen und Beispiel für ein friedliches Miteinander und gegen spalterische Tendenzen. Die Tora, so der Esslinger Rabbiner Yehuda Pushkin, sei das Herz der Gemeinde. An dem feierlichen Umzug, mit dem die Torarolle eingebracht wurde, nahmen auch die Mitglieder der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) teil, die sich aus Anlass der ORD-Jahresmitgliederversammlung in Stuttgart aufhielten.

Frankfurt

Der Magistrat von Frankfurt am Main hat beschlossen, der Auschwitzüberlebenden Trude Simonsohn die Ehrenbürgerwürde der Stadt zuzuerkennen. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann erklärte, Simonsohn sei „eine große Freundin unserer Stadt und eine unermüdliche Kämpferin gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus“. Die 1921 in der Tschechoslowakei geborene Simonsohn überlebte unter anderem die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz. 1955 zog sie mit ihrem Ehemann, den sie in Theresienstadt kennengelernt hatte, nach Frankfurt. Im Vorstand der Jüdischen Gemeinde wurde sie für Sozialarbeit und Erziehungsberatung zuständig. Von 1989 bis 2001 war sie Gemeinderatsvorsitzende.

Chemnitz

Renate Aris, Mitglied der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, ist mit dem Sächsischen Verdienstorden geehrt worden. Die Familie Aris hatte den Holocaust in Dresden überlebt und war nach Kriegsende aktiv am Aufbau der jüdischen Gemeinde in der Stadt beteiligt. In den 60er-Jahren zog Renate Aris in das damalige Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und wurde in der dortigen jüdischen Gemeinde tätig. Nach Beginn der Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion war sie mit großem Engagement am Ausbau der in DDR-Zeiten auf eine Restgröße geschrumpften Gemeinde beteiligt. Sie wurde mehrmals in den Gemeindevorstand gewählt. Renate Aris tritt auch als Zeitzeugin in Schulen auf und organisiert in Chemnitz Synagogenführungen. Ihr breit gefächertes Engagement wurde nun von Sachsen gewürdigt. Auch ihr Bruder, Heinz-Joachim Aris, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden und Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, wurde – und zwar bereits im Jahr 2012 – mit dem Sächsischen Verdienstorden geehrt.

Bad Nauheim

Die Mitgliederversammlung der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim hat bei Vorstandswahlen im vergangenen Monat Manfred de Vries zum neuen Gemeindevorsitzenden gewählt. Der im nordrhein-westfälischen Recklinghausen geborene de Vries, 65, trat damit die Nachfolge des langjährigen, im Februar verstorbenen Gemeindevorsitzenden Monik Mlynarski an. Zu weiteren Vorstandsmitgliedern wurden Yehuda Azulay und Feliks Zabolovski gewählt. Die Jüdische Gemeinde Bad Nauheim hat rund 270 Mitglieder.