16. Jahrgang Nr. 6 / 24. Juni 2016 | 18. Siwan 5776

Verlässlicher Freund

Bedauern über Bundespräsident Joachim Gaucks Verzicht auf zweite Amtszeit

Unter Hinweis auf sein Alter – er ist 76 Jahre alt – hat Bundespräsident Joachim Gauck am 6. Juni seinen Verzicht auf die Kandidatur für eine zweite Amtsperiode von 2017 bis 2022 erklärt. Er möchte für eine erneute Zeitspanne von fünf Jahren, so Gauck, „nicht eine Energie und Vitalität voraussetzen, für die ich nicht garantieren kann“.
Zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft bekundeten ihren Respekt für die Entscheidung des Staatsoberhaupts, äußerten aber auch ihr Bedauern darüber, dass Gauck nicht wieder antrete. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, erklärte: „Als verlässlicher Freund der jüdischen Gemeinschaft hat sich der Bundespräsident in außerordentlichem Maße und mit hoher Sensibilität auch für unsere Belange eingesetzt.“ Dieses Engagement des Bundespräsidenten wisse die jüdische Gemeinschaft zu schätzen.
Bereits im Juni 2012, wenige Wochen nach seiner Wahl, lud der Bundespräsident die Spitze des Zentralrats zu einem Gespräch ein. Im November 2013 besuchte er den vom Zentralrat organisierten Gemeindetag, bei dem er unter anderem erklärte: „Jüdischer Glaube, Tradition und Lebenspraxis sind Teil unserer Kultur.“ Zugleich erteilte er dem Antisemitismus eine eindeutige Absage. Elf Monate später war der Bundespräsident Ehrengast bei der Kundgebung des Zentralrats gegen den Antisemitismus. Dies bezeichnete der damalige Zentralratspräsident, Dr. Dieter Graumann, als besonderes und bewegendes Zeichen von Solidarität und Verbundenheit.
Auch bei anderen Anlässen zeigte der Bundespräsident sein Interesse am jüdischen Leben in Deutschland, nicht zuletzt bei der Eröffnung der neuen Synagoge in Ulm 2012 oder bei einem Besuch der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg und durch die Übernahme der Schirmherrschaft über die Europäischen Makkabi-Spiele in Berlin im vergangenen Jahr. Gaucks Engagement für die jüdische Gemeinschaft wurde in der jüdischen Welt auch über Deutschlands Grenzen hinaus anerkannt. So wurde er vom New Yorker Leo Baeck Institut mit der Leo-Baeck-Medaille ausgezeichnet.

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