16. Jahrgang Nr. 5 / 27. Mai 2016 | 19. Ijjar 5776

Großereignis

In Duisburg fand die erste Deutsche Makkabi Meisterschaft seit 20 Jahren statt

Von Zlatan Alihodzic

Im vergangenen Sommer herrschte in Berlin Makkabi-Fieber: Damals fanden in der deutschen Hauptstadt die Europäischen Makkabi-Spiele statt – zum ersten Mal auf deutschem Boden. Im Mai dieses Jahres war in Duisburg ein anderes Großereignis von Makkabi angesagt: die Deutsche Makkabi Meisterschaft. Sie fand zwar nicht zum ersten Mal, wohl aber zum ersten Mal seit 20 Jahren statt.
400 Athleten aus 20 Makkabi-Ortsvereinen zwischen Berlin und Düsseldorf, Bremen und München, aber auch aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz kamen vom 13. bis 16. Mai zusammen. In den Disziplinen Basketball, Fechten, Fußball, Tennis, Tischtennis, Schach, Sportschießen und Volleyball traten die Wettkämpfer gegeneinander an. Abseits der Sportanlagen feierten sie gemeinsam.
In Duisburg hatte vor 20 Jahren auch die erste Makkabiade seit der Neugründung von Makkabi Deutschland stattgefunden. Daran erinnerte Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, bei der Eröffnungsveranstaltung im Sportpark Wedau. Nun wolle man diese Tradition fortführen. Besonders freue man sich darüber, „dass auch nichtjüdische Sportlerinnen und Sportler dabei sind“, betonte Meyer. Sie seien ein wichtiger Bestandteil der Makkabi-Ortsvereine. Gemeinsam habe man „in Sachen Integration und religiöser Vielfalt Maßstäbe gesetzt“. Meyer weiter: „Eure Teilnahme zeigt, dass der Sport Menschen unterschiedlichster Kulturen, Herkunft und Religionen zusammenbringt.“ So gehörten zur Makkabi-Familie, erklärte Meyer, „Juden, Christen, Muslime und auch Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören“. Auf und neben dem Sportplatz könne Makkabi somit Integration vorleben.
Dass das nun wieder in Nordrhein-Westfalen verdeutlicht wurde, freute Christina Kampmann, Landesministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. „NRW ist ein Land der Vielfalt“, auch der jüdischen Vielfalt. Und seit der Neugründung von Makkabi Deutschland im Jahr 1965 in Düsseldorf sei es auch „Makkabi-Land“. Gemeinsam, forderte die Ministerin, müsse immer wieder gezeigt werden, dass antisemitische Hetze hier nicht geduldet werde. Eine „offene und menschliche Gesellschaft ist das Wertvollste, was wir haben“, und die solle während der Deutschen Makkabi Meisterschaft in Duisburg gefeiert werden.
„Ein wunderbares Zeichen jüdischer Lebensfreude“ solle von der Makkabiade ausgehen, wünschte sich der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer. In seinem Grußwort erinnerte er auch an die Berliner Makkabi-Spiele. Ein „Gänsehaut-Feeling“ habe sich ausgebreitet, als man die Hatikva dort gesungen habe, wo einst die Nazis ihre Parolen gebrüllt hätten. Doch auch heute noch würden „Sportler von Makkabi-Vereinen immer wieder zur Zielscheibe antisemitischer Pöbeleien“, erklärte Lehrer. Deshalb müsse die jüdische Gemeinschaft gerade in einer Zeit, in der rechte Gruppierungen und Parteien erstarkten, zeigen, „dass man zu Deutschland gehört und sich nicht verstecken muss“.
Die Meisterschaft in Duisburg war ein solches Zeichen. Mit wehenden Fahnen liefen die teilnehmenden Ortsvereine am Freitagabend bei der Eröffnungsfeier auf der Gymnastikwiese des Sportparks ein. Auch ein Feuer wurde entzündet, eine eigens komponierte Hymne präsentiert und anschließend das Eröffnungsspiel einer Makkabi-Auswahl gegen die Mannschaft des nordrhein-westfälischen Landtags angepfiffen.
Am nächsten Tag wurde es dann ernst im Kampf um die Medaillen. Obwohl er mit seiner Mannschaft 1:15 im Fußball gegen das Team aus Berlin verloren hatte, meinte Vladimir Budjatski von Makkabi Rostock: „Es war eine gute Entscheidung, hierher zu kommen.“ Die Rostocker spielen Fußball normalerweise in der Halle, aber als sie von der Möglichkeit hörten, an der Makkabi Meisterschaft teilzunehmen, schnürten sie ihre Stollenschuhe für den Rasen. In zwei anderen Spielen, berichtete der 25-Jährige, habe man sich gut geschlagen, und gegen gute Mannschaften wie Berlin müsse man eben auch mal verlieren können. „Trotzdem haben wir hier viel Spaß mit den Leuten.“
Aber es ging nicht nur um den Spaß, sondern um Gold, und wenn die Medaille zum Greifen nah war, ging es rund. Das wurde beim Fußballspiel zwischen Frankfurt und Köln deutlich. Die Mannschaften schenkten sich nichts auf dem Weg ins Finale. „Aber grundsätzlich ist alles easy, denn alle wollen Spaß haben und sind freiwillig hier“, erzählte Daniel Soudry von Makkabi Berlin, das seine komplette zweite Mannschaft nach Duisburg geschickt hatte. „Die meisten kennen sich ja auch schon aus den Ferienlagern, aus der Jugend“, sagte der 36-Jährige. Moshico Saban, ebenfalls aus Berlin, sah in Duisburg viele bekannte Gesichter. „Der Kapitän zum Beispiel oder der Torwart von Frankfurt, mit denen habe ich im letzten Jahr zusammen bei den European Maccabi Games gespielt“, erklärte er. „Es ist schön, jetzt auch einmal gegeneinander anzutreten.“
Jurij Margit knüpfte hingegen neue Kontakte. Der 19-jährige Mainzer ist noch nicht so lange ein Teil der Makkabi-Familie. Bei den European Maccabi Games im letzten Jahr konnte er sich aber schon einen Namen machen, da er im Tischtennis drei Goldmedaillen gewann: Einzel, Doppel, Mannschaft. Aber er sei nicht nur gekommen, um an der Tischtennisplatte zu stehen. „Ich bin schon auch hier, um andere Menschen kennenzulernen. Bei der Makkabiade trifft man sich eben.“
Wenn es nach den Teilnehmern ginge, könnte das gerne öfter passieren. Für die Organisation gab es viel Lob, und zwar sowohl für die Durchführung der Wettkämpfe als auch für die Freizeitangebote. Neben einigen Seminaren standen auch eine Poker-Nacht und eine Party auf dem Programm. Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Teilnehmer am Montag. Nun, nicht alle: Die Fußballer und Basketballer hatten am Morgen noch ihre Finalspiele. Sie feierten dann am Mittag – mit Medaillen und Pokalen.