16. Jahrgang Nr. 5 / 27. Mai 2016 | 19. Ijjar 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

München

Die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) hat einen neuen Treffpunkt für Holocaust-Überlebende eröffnet. Unter dem Namen „Café Zelig“ bietet die neue Einrichtung den Teilnehmern dienstags zwischen 15 und 18 Uhr musikalische Veranstaltungen und Vorträge an. Bei der Eröffnung des Treffpunkts erklärte IKG-Präsidentin Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Ziel des „Café Zelig“ sei es, den Überlebenden die Begegnung mit anderen Menschen zu ermöglichen, die sie verstünden. Darüber hinaus solle das soziale Leben der oft vereinsamten Überlebenden verbessert werden. Die Organisation der Begegnungsstätte wurde in die Hände von Nina Grossmann gelegt, die sich als neue Mitarbeiterin der IKG der Arbeit in der Begegnungsstätte widmen wird. Die Zahl der in München und Umgebung lebenden Holocaust-Überlebenden wird auf 1200 geschätzt. Das neue Zentrum, das sich in der Georgenstraße 71 in München befindet, wird von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ unterstützt.

Bayern

Am 27. April ist der langjährige Geschäftsführer des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, André Berkal, im Alter von 71 Jahren verstorben. Berkal gehörte über viele Jahre auch dem Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland an und war zuletzt Vorsitzender der Zentralratskommission für Integrationsfragen. Der Zentralrat brachte Trauer um Berkal zum Ausdruck und sprach dessen Familie und Lebensgefährtin sein Beileid aus.

Hannover

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers will den Dialog mit dem Judentum weiter ausbauen. Zu diesem Zweck hat sie ihren knapp 1300 Gemeinden Arbeitsmappen mit Unterrichts- und Informationsmaterial zum Judentum zugeschickt. Die Arbeitshilfen können beispielsweise für den Gottesdienst oder für die Konfirmandenarbeit benutzt werden. Landesbischof Ralf Meister erinnerte daran, dass die Landeskirche im Jahr 2013 die besondere Verbindung zum Judentum in ihrer Verfassung verankert habe. Der hannoversche Rabbiner Gabor Lengyel würdigte die im jüdisch-christlichen Dialog bisher erreichten Erfolge und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass mit den neuen Arbeitshilfen auch jüngere Menschen erreicht werden könnten.

Berlin

Das Jüdische Museum Berlin will bis Ende 2017 das Leben von Juden in islamischen Ländern beleuchten. Den Auftakt dazu bildete im Mai die Jüdisch-marokkanische Filmwoche. Mitte des 20. Jahrhunderts lebten in Marokko rund 250.000 Juden. Die meisten von ihnen wanderten zwischen den Fünfziger- und Siebzigerjahren aus. Heute zählt die jüdische Gemeinschaft in dem Land noch 2500 Mitglieder. Mit dem neuen Schwerpunktprogramm, so Yasemin Shooman, Leiterin der Akademieprogramme des Jüdischen Museums Berlin, wolle das Museum zeigen, dass Judentum und Islam kein Gegensatzpaar bildeten, sondern dass Juden und Muslime eine reichhaltige und wechselvolle Geschichte verbinde. Damit solle auch zur Stärkung der Beziehungen zwischen Juden und Muslimen in Deutschland beigetragen werden. Zugleich erweitere das Museum seinen Blick über das aschkenasische Judentum Europas hinaus. Insgesamt solle im Rahmen des Schwerpunktprogramms jüdisches Leben in zehn islamischen Ländern dargestellt werden, wobei, so eine Erklärung des Museums, auch Konflikte nicht ausgespart würden.

Göppingen

Die Ausstellung des Jüdischen Museums Göppingen soll im Herbst 2017 vollständig erneuert werden. Für diesen Zweck will die Stadt 280.000 Euro zur Verfügung stellen. Zum einen, so der Göppinger Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß, seien im Museum ohnehin Renovierungsmaßnahmen erforderlich. Zum anderen sei die Runderneuerung der Ausstellung aus Anlass des im kommenden Jahr ins Haus stehenden 25-jährigen Jubiläums des Museums geplant. Laut dem neuen Konzept soll die Ausstellung um zusätzliche inhaltliche Schwerpunkte sowie um Film- und Tonbandaufnahmen ergänzt werden. Die Schicksale einzelner Menschen werden zudem stärker berücksichtigt. Die Ausstellung soll die Ausbreitung des Antisemitismus in der Stadt ab den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts darstellen, aber auch Bürger würdigen, die Widerstand gegen den Judenhass leisteten. Wichtige Themen sollen auch die Nachkriegszeit und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Göppingen bilden.