16. Jahrgang Nr. 4 / 29. April 2016 | 21. Nissan 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Solidarität

Anlässlich des Welt-Roma-Tags am 8. April fand in Berlin eine große Kundgebung für Solidarität mit Sinti und Roma in Europa statt. Zu der Kundgebung hatte ein breites Solidaritätsbündnis aufgerufen, dem unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland angehört. Zu den Teilnehmern gehörte auch Bundespräsident Joachim Gauck.
In seiner bei der Kundgebung gehaltenen Rede versicherte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Mark Dainow, der Gemeinschaft der Sinti und Roma: „Ihr seid nicht allein! Wir stehen an eurer Seite!“ Dainow ging in seiner Rede auf die vielfältigen gesellschaftlichen Benachteiligungen ein, denen Sinti und Roma auch heute noch in Europa ausgesetzt sind. Er forderte Gleichberechtigung für die größte Minderheit Europas. Die jüdische Gemeinschaft fühle sich aufgrund der tragischen Geschichte den Sinti und Roma eng verbunden.

Frankfurt

Der seit elf Jahren amtierende Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Dortmund, Avichai Apel, wechselt nach Frankfurt. Er nimmt seine Tätigkeit in der Mainmetropole im Sommer dieses Jahres auf. Durch die Berufung Apels wird die Jüdische Gemeinde in Frankfurt, in der derzeit Rabbiner Julian-Chaim Soussan amtiert, wieder über zwei vollbesetze Rabbinerposten verfügen. Rabbiner Apel ist Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD), während Rabbiner Soussan dem Beirat der ORD angehört.

Duisburg

Duisburg ist der Standort des neuen, im April eröffneten „Janusz Korczak Haus NRW“. Die Duisburger Einrichtung wurde von der Europäischen Janusz Korczak Akademie und der Jüdischen Gemeinde der Stadt ins Leben gerufen. Es ist nach München – dem Hauptsitz der Akademie – und nach Berlin das dritte Korczak-Haus in Deutschland. Die Janusz Korczak Akademie ist eine 2009 gegründete jüdische Bildungseinrichtung. Ihr Ziel ist es, durch Vermittlung von Wissen die jüdische Gemeinschaft zu stärken und den Austausch mit der nichtjüdischen Umwelt zu fördern.

Braunschweig

Im April wurde in Braunschweig der Verein „Israel Jacobson Netzwerk für jüdische Kultur und Geschichte“ gegründet. Die Vereinsmitglieder kommen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur. Der Verein setzt sich für eine Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für die Geschichte der jüdischen Kultur ein und will einen neuen Blick auf Orte, Persönlichkeiten und Entwicklungen vermitteln. Zum Präsidenten des Netzwerks wurde Prof. Dr. Ing. Alexander von Kienlin, wissenschaftlicher Leiter der „Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa“ an der Technischen Universität Braunschweig, gewählt.

Museum

Die Ausstellung „Kunst aus dem Holocaust“, die vom 6. Januar bis 3. April im Deutschen Historischen Museum zu sehen war, zog insgesamt 47.000 Besucher an. Die überwiegend grafischen Blätter in der Ausstellung stammten von Häftlingen aus verschiedenen Konzentrationslagern, Arbeitslagern und Ghettos und sind im Geheimen entstanden. 24 der 50 in der Ausstellung präsentierten Künstlerinnen und Künstler wurden während der Schoa ermordet. Die 100 Kunstwerke wurden von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung war ein Kooperationsprojekt von Yad Vashem, der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur und dem Deutschen Historischen Museum. Sie war durch BILD und die Stiftung für Kunst und Kultur initiiert und von der Daimler AG und der Deutschen Bank gefördert worden. An der Eröffnung hatte Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel teilgenommen.
Am 20. April eröffnete der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, im Deutschen Historischen Museum eine weitere Ausstellung. Unter dem Titel „Angezettelt: Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“ zeigt diese gemeinsame Ausstellung des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und des Deutschen Historischen Museums Klebezettel, Sammelmarken und -bilder, Briefverschlussmarken und Sticker aus der Zeit des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus bis hin zur Gegenwart. Die Ausstellung geht auch auf die Geschichte der Abwehr antisemitischer und rassistischer Feindbilder ein. Die Ausstellung ist bis 31. Juli zu sehen.