5. Jahrgang Nr. 2 / 24. Februar 2005 15. Adar I 5765

Architekten setzen Zeichen

Das Jüdische Museum Berlin zeigt Sonderausstellung »BAUEN! Jüdische Identität in der zeitgenössischen Architektur«

Erstmals ist in Deutschland, in Berlin, ein internationaler Überblick über moderne Architektur für jüdische Institutionen weltweit zu sehen. Das Jüdische Museum Berlin zeigt in der Ausstellung »BAUEN! Jüdische Identität in der zeitgenössischen Architektur« insgesamt 17 Synagogen, Museen, Gemeindezentren und Schulen in Europa, Israel und den USA. Ergänzt wird die Schau, die vom Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam organisiert wurde, um eine chronologische Übersicht der bedeutendsten historischen Bauten.

Im Rahmen der Schau ist erstmals auch der Entwurf für die Erweiterung des Jüdischen Museums Berlin, für die sogenannte „Laubhütte“, im Modell zu sehen. Architekt Daniel Libeskind, dessen Entwurf für das Jüdische Museum Berlin sowohl ihn als auch das Haus weltberühmt gemacht hat, plant einen Anbau an den barocken Altbau des Museums: Der 600 Quadratmeter große Hof soll mit einer Glaswand geschlossen und einem Dach, das von vier hölzernen Stützen getragen wird, überdacht werden. Die vier Holzstützen, die das Dach tragen, erinnern an eine „Sukka“, in die die Juden beim Laubhüttenfest einziehen, um daran zu erinnern, dass Gott das jüdische Volk in Hütten wohnen ließ, als er sie aus Ägypten herausführte.

Doch die Erweiterung des Berliner Museums ist nicht der einzige Deutsche Beitrag zur Ausstellung: Der Berliner Architekt Zvi Hecker beispielsweise hat das fächerförmige und vielfach gebrochene jüdische Gemeindehaus in Duisburg entworfen. Auch die zerklüftete Heinz-Galinski-Schule in Berlin wurde von Hecker entworfen und ist in der Ausstellung zu sehen.

Eine ganz andere formelle Sprache spricht die neue Dresdner Synagoge von den Architekten Wandel Hoefer Lorch und Hirsch mit ihrer ruhigen und strengen Geometrie. Dieselben Architekten bauen gegenwärtig auch das neue und ebenso fein detaillierte Jüdische Gemeindezentrum am Jakobsplatz in München. Gebäude wie diese sind ein Ausdruck des neuen wiedererstarkten jüdischen Selbstbewusstseins und Selbstverständnisses in Deutschland: Viele jüdische Gemeinden bringen ihre gesellschaftliche Bedeutung auch architektonisch eindrucksvoll zum Ausdruck. Die neuen Gebäude beziehen ihre Spannung dabei meist aus dem wiedererwachten jüdischen Leben in Deutschland und der stets präsenten Erinnerung an die Auslöschung jüdischer Kultur durch den Holocaust.

Der „Trend zur Ausdruckskraft“ begann mit Libeskind, dem es gelungen war, mit dem jüdischen Museum in Berlin ein expressives, sinnliches und gleichzeitig populäres Zeichen für die deutsch-jüdische Geschichte zu finden: Die vielfach gebrochenen Linien der verschütteten jüdischen Bezugsachsen in der Stadt kennzeichnen das Kreuzberger Museum. In seinem neuesten Buch, „Breaking Ground“, das Libeskind unlängst im Jüdischen Museum Berlin vorgestellt hat, ist eindrucksvoll nachzulesen, wie wegweisende und mutige Architektur Zeugnis einer wachsenden “jüdischen Identität durch innovative Formen“ sein kann. mey

Jüdisches Museum Berlin, Lindenstraße 9-14, 4. März bis 29. Mai 2005 Eintritt. Die Ausstellung wird anschließend in Wien, München, London und Tel Aviv zu sehen sein. Zur Ausstellung gibt es einen Katalog (Englisch/Deutsch).