16. Jahrgang Nr. 3 / 24. März 2016 | 14. Adar II 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Stuttgart

Der ehemalige Landesrabbiner von Württemberg, Rabbiner Dr. Joel Berger, wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Mit dem Verdienstorden, so der baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch, der Rabbiner Berger die Auszeichnung überreichte, werde die Lebensleistung eines Mannes gewürdigt, auf den die Gesellschaft stolz sein könne. Rabbiner Berger, Landesrabbiner in Stuttgart in den Jahren 1981 bis 2002, war maßgeblich am Aufbau jüdischen Lebens in Württemberg und an der Integration von Zuwanderern beteiligt. Darüber hinaus hat er sich große Verdienste im interreligiösen Dialog und bei der Erklärung des Judentums in der nichtjüdischen Umwelt erworben – inklusive der zusammen mit seiner Frau Noemi durchgeführten Organisation der jüdischen Kulturwochen. Barbara Traub, Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg und Mitglied des Präsidiums des Zentralrats der Juden in Deutschland, würdigte Rabbiner Berger auch als einen Lehrer jüdischer Ethik. Lesern der „Zukunft“ ist der 1937 in Ungarn geborene Rabbiner Berger auch als Autor des Glossars „Was ich immer schon wissen wollte ...“ bekannt, in dem er Begriffe des Judentums erklärt.

Bündnis

In Berlin wurde ein neues Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma vorgestellt. Zu den 25 Unterstützern der überparteilichen Initiative gehört auch der Zentralrat der Juden in Deutschland. Zur Gründung des Bündnisses erklärte Zen­tralratspräsident Dr. Josef Schuster: „Sinti und Roma sind in Europa seit Jahren die am meisten benachteiligte und diskriminierte Minderheit. Dieser Zustand ist unerträglich und nicht hinnehmbar.“ In einem Aufruf zur Solidarität mit den Sinti und Roma Europas stellten die Bündnispartner fest, der Rassismus gegen Sinti und Roma in Europa habe in den vergangenen Jahren eine neue Dimension erreicht. Auch in Deutschland seien die seit vielen Generationen hierzulande beheimateten Sinti sowie zugewanderte und asylsuchende Roma Antiziganismus in allen Lebensbereichen ausgesetzt.

Berlin

Der Filmproduzent Artur Brauner hat 21 seiner Filme dem Jüdischen Museum Berlin übergeben. Diese Werke, so Brauner, seien der Holocaust-Thematik gewidmet. Zu den Schenkungen gehört unter anderem der bekannte Film „Hitlerjunge Salomon“. Wie das Museum erklärte, sind einige der Filme heute nicht mehr im freien Handel erhältlich.
Brauner wurde 1918 im polnischen Lodz geboren und konnte sich nach Beginn des Zweiten Weltkrieges durch Flucht in die Sowjetunion vor den Nazis retten. Nach Kriegsende kam Brauner nach Deutschland und gründete die CCC-Film-Gesellschaft, mit der er einer der führenden Filmproduzenten der Bundesrepublik wurde und fast 250 Spielfilme produzierte.

Tagung

Ende Februar und Anfang März fand in Berlin eine Tagung der Rabbinerkonferenz des Rabbinical Center of Europe statt. Es war das erste Mal, dass diese Veranstaltung in der Bundeshauptstadt abgehalten wurde. Sie fand im Berliner Chabad-Bildungszentrum statt und stand unter dem Motto „Einheit der Welt“. Die Teilnehmer wurden unter anderem von Bundestagspräsident Professor Norbert Lammert begrüßt. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, schilderte vor den Tagungsteilnehmern die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Der Gastgeber des Treffens, Rabbiner Yehuda Teichtal, bewertete die Tatsache, dass die Konferenz in Berlin ausgerichtet worden sei, als ein Zeichen des Vertrauens und der positiven Entwicklung jüdischen Lebens in Deutschland.

Düsseldorf

In Düsseldorf kamen Leiterinnen und Leiter jüdischer Schulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem dreitägigen Treffen zusammen. Die Begegnung diente dem Informations- und Meinungsaustausch sowie Fortbildungsmaßnahmen. Ein Schwerpunktthema der Beratungen war die Vermittlung jüdischer Identität.