16. Jahrgang Nr. 3 / 24. März 2016 | 14. Adar II 5776

Gespräch als Chance

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats, hielt einen Vortrag über den interreligiösen Dialog

Unter dem Titel „Chancen und Schwierigkeiten eines interreligiösen Dialogs“ führte das Emil-Frank-Institut an der Universität Trier und an der Theologischen Fakultät Trier eine Vortagsreihe durch. Den Abschlussvortrag hielt am 23. Februar der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, Daniel Botmann. Botmann sprach in Trier über das Thema „Interreligiöser Dialog als Chance zur Lösung aktueller Krisen“.
In seinen Ausführungen ging der Geschäftsführer des Zentralrats zunächst auf die im christlich-jüdischen Dialog erzielten Fortschritte ein. Das Miteinander von Juden und Christen finde heute auf Augenhöhe statt. Diese Vertrauensbasis ermögliche es, in schwierigen Zeiten oder gar Krisenzeiten füreinander da zu sein und wechselseitig füreinander einzustehen, erklärte Botmann und bezeichnete die Erfahrungen im christlich-jüdischen Verhältnis als ein Beispiel für die positive Rolle, die ein interreligiöser Dialog generell spielen könne.
Solch ein Dialog könne Brücken über zivilisatorische Abgründe hinweg bauen, sagte Botmann und fügte hinzu: „Ebenso klar ist für mich jedoch, dass wir viel mehr von diesem Dialog brauchen. Insbesondere viel mehr Dialog­ebenen und Begegnungen mit den Muslimen. Mehr heißt, einen intensiveren Dialog nicht nur über die Inhalte und Wahrheitsansprüche unserer jeweiligen Religionen, sondern auch über die aktuellen politischen Debatten unserer Zeit aus der jeweiligen Perspektive unserer Religionsgemeinschaft.“
Der Geschäftsführer des Zentralrats verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, der Dialog der Religionen könne auch zur Bewältigung aktueller Krisen beitragen: „Ich würde sogar so weit gehen, dass ohne die Religionen und das Gespräch der Religionen miteinander die aktuellen Krisen nicht zu bewältigen sein werden.“ Im Anschluss an den Vortrag stellte sich Botmann den Fragen der zahlreich erschienenen Zuhörer und nahm an einer Diskussionsrunde teil.
Das 1997 gegründete Emil-Frank-In­stitut ist nach dem langjährigen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in der rheinland-pfälzischen Stadt Wittlich, Emil Frank (1878–1954) benannt. Das Institut dient der Begegnung von Juden und Nichtjuden und fördert durch Forschung, Lehre und Weiterbildung das Wissen um das Judentum und Kenntnisse jüdischer Geschichte. Sitz des In­stituts ist Wittlich.

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