16. Jahrgang Nr. 2 / 26. Februar 2016 | 17. Adar I 5776

Wegweiser

Die Europäische Janusz Korczak Akademie will jüdische Medienarbeit fördern

Von Rozsika Farkas

In der öffentlichen Debatte in Deutschland sind zahlreiche jüdische Stimmen präsent. Zentralratspräsident Josef Schuster etwa wird – wie schon seine Vorgänger – in den Medien oft mit Aussagen zu einer breiten Themenpalette zitiert. Jüdische Gemeinden bringen sich regelmäßig in das Leben der Städte ein, in denen sie angesiedelt sind. Rabbiner, jüdische Wissenschaftler, Schriftsteller und Journalisten runden das Bild ab.
Indessen ist auch jüdische Präsenz in der Öffentlichkeit – wie alles Menschenwerk – aufwertungsfähig. Dies zu erreichen, hat sich die Europäische Janusz Korczak Akademie (EJKA) in München zum Anliegen gemacht. Der Akademie geht es unter anderem darum, jüngere Stimmen zu fördern. Zu diesem Zweck hat sie bereits das „Jüdische Zentrum für Medienkompetenz“ gegründet und Alexander Rasumny mit dessen Leitung beauftragt. Im vergangenen Jahr konnten Jugendliche beispielsweise unter dem Motto „Jung, jüdisch, bayerisch“ an Journalistik-Kursen teilnehmen und anschließend die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten umsetzen und kurze Filme zum Thema drehen.
Jetzt hat die EJKA ein weiteres ambitioniertes Projekt auf die Beine gestellt: eine Lehrplattform für Medienkompetenz. Es handelt sich um eine umfassende Handreichung, die gegenwärtig als elektronisches Buch aufrufbar ist und demnächst auch in gedruckter Form als 240 Seiten starke Publikation erhältlich sein soll.
Im Januar wurde die neue Lehrplattform im Presseclub am Münchner Marienplatz vorgestellt. EJKA-Präsidentin Eva Haller konnte nicht nur Gäste aus dem Inland begrüßen, sondern auch solche, die zur Präsentation eigens aus New York und Moskau, aus Wien und aus Israel angereist waren.
Finanziell unterstützt wurde das Projekt von der Jewish Agency, deren Deutschland-Chef Michael Yedovitzky ebenfalls nach München gekommen war, sowie von der vor neun Jahren in Moskau gegründeten Genesis Philanthropy Group, vertreten durch Geschäftsführerin Sana Britavsky, die bereits reges Interesse an dem Projekt feststellen konnte.
Das neue Lehrprogramm vermittelt allgemeine Grundlagen des Journalismus. Sabine Wolf schrieb zum Thema „Wie verfasse ich journalistische Texte?“, während Florian Feichtmeier die Frage „Wie wird mein Blog gelesen?“ zu beantworten suchte.
Auch jüdische Aspekte sowie die Bekämpfung des Antisemitismus und Antiisraelismus, die bei der Medienarbeit berücksichtigt werden müssen, sind in der Lehrplattfort vertreten. Alex Feuerherdt schrieb zum Thema „Antiisraelische Kampagnen – was muss ich wissen?“ Sacha Stawski und der Journalist Ulrich Sahm dokumentierten anhand zahlreicher Beispiele, wie in deutschen Medien in der Israel-Berichterstattung häufig Tatsachen verdreht oder gar – auch mit Fotos – Unwahrheiten verbreitet werden.
Bei der Veranstaltung moderierte BR-Reporterin Ilanit Spinner ein Gespräch zwischen drei Publizisten: „Nu“-Chefredakteur Peter Menasse aus Wien, Bloggerin Juna Grossmann (www.irgendwiejuedisch.com) und Welt-Kolumnist Filipp Piatov. Juna Grossmann berichtete von großem Interesse – häufig gepaart mit ebenso großer Ahnungslosigkeit –, das die Besucher ihrer Seite an jüdischen Themen hätten. Teilweise seien es ganz schlichte Fragen wie „Warum beginnt der Schabbat schon Freitag?“. Grossman zeigte sich überrascht, „wie viele Stereotype in den Köpfen noch immer herumgeistern“ und hoffte, „dass Blogs das Bild, das manche sich von Juden machen, korrigieren können“. Dabei setzte sie optimistisch auch auf die Zeit: „Von Generation zu Generation wird das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden normaler.“
Nach Piatovs Meinung ist die jüdische Präsenz in der Öffentlichkeit noch immer nicht ausreichend. Andererseits warnte er junge Leute davor, sich als „Berufsjuden“ zu etablieren.
Menasse plädierte dafür, trotz aller Unterschiedlichkeiten der Standpunkte, die innerhalb der jüdischen Gemeinschaft bestünden, sich in der Öffentlichkeit auf gemeinsame Interessen zu besinnen. Dazu gehöre auch die Solidarität mit Israel. Menasse führte aus: „Wenn ich auf Israel angesprochen werde, bestehe ich darauf, Österreicher zu sein, der in Israel nicht wählen und nicht Einfluss nehmen kann. Aber am Ende, wenn es hart auf hart kommt, ist Israel doch auch mein Land.“
Einig waren sich alle drei Talkgäste, dass Juden in der Öffentlichkeit nicht nur zu jüdischen Themen gehört werden sollten. Menasse: „Ich will in der Öffentlichkeit nicht allein als Jude wahrgenommen werden, sondern als Bürger, als Demokrat, als Intellektueller.“ Auch dabei will die Janusz Korczak Akademie jungen Medienschaffenden Hilfestellung leisten.