16. Jahrgang Nr. 2 / 26. Februar 2016 | 17. Adar I 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Konstanz

In Konstanz ist das Projekt zum seit langem geplanten Bau der Synagoge in der Sigismundstraße und eines Gemeindezentrums angelaufen. Im ersten Stadium wird das ans Grundstück angrenzende ehemalige Gasthaus „Anker“, das aus Gründen des Denkmalschutzes nicht abgerissen werden kann, wiederaufgebaut. Im nächsten Schritt kann der Synagogenbau in Angriff genommen werden. Vor Beginn des Bauprojekts mussten innerjüdische Differenzen in der Stadt beigelegt werden. Dabei wurde die heutige Synagogengemeinde Konstanz gegründet. Sie gehört der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (Oberrat) an.

Regensburg

Bundesbauministerium Barbara Hendricks hat den geplanten Neubau der Synagoge in Regensburg zu einem nationalen Projekt des Städtebaus erklärt. Dank der Einstufung des Neubaus als architektonisches „Premium-Projekt“ wird der Bund im Rahmen der laufenden Förderrunde für nationale Projekte des Städtebaus 3,3 Millionen Euro für dieses Bauvorhaben zur Verfügung stellen. Damit ist die Hälfte der Projektfinanzierung gesichert. Die Stadt Regensburg kommt für weitere 2 Millionen Euro auf. Die Synagoge wird überwiegend aus Naturstein gebaut. Die Einweihung ist für 2019 geplant.

Bad Segeberg

Die 2. Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg und Vizepräsidentin des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein, Ljudmila Budnikov, wurde von Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Damit wurden ihre Verdienste um das jüdische Leben in Schleswig-Holstein gewürdigt. Wie der Landesverband in einer Erklärung betonte, hat sich Ljudmila Budnikov beim Aufbau einzelner Gemeinden ebenso wie des Landesverbandes, bei der Einrichtung neuer jüdischer Friedhöfe, bei der Erlangung von Körperschaftsrechten für den Landesverband und dessen Repräsentation sowie bei der Integration der russischsprachigen Zuwanderer engagiert.

Berlin

Am 22. Januar wurde am Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas der fünfmillionste Besucher empfangen. Dabei handelte es sich um Daniela Horn, eine Abiturientin des Luther-Melanchthon-Gymnasiums in Wittenberg, die zusammen mit ihren Mitschülern die Ausstellung im Ort der Information besuchte. Die 18-Jährige wurde von Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, begrüßt. Bei einem Großteil der Besucher des 2005 eröffneten Denkmals handelt es sich um junge Menschen. Laut einer 2013 durchgeführten Erhebung entfielen 39 Prozent aller Besucher auf die Altersgruppe von 14 bis 29 Jahren.

Bayern

Am New Yorker Hauptsitz der Vereinten Nationen wurde im Januar und Februar eine Ausstellung über das von der UNO ab Juli 1945 bis 1949 betriebene Kinderzentrum im bayerischen Markt Indersdorf gezeigt. Es handelte sich um das erste internationale Kinderzentrum der Vereinten Nationen. Es beherbergte zeitweise mehrere Hundert Waisenkinder, deren Eltern und andere Familienangehörige während der Schoa ermordet worden waren. Die New Yorker Ausstellung mit dem Namen „Life After Survival“ wurde von der Historikerin Anna Andlauer initiiert. Bei der Eröffnung der Ausstellung hielt Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und Landtagsabgeordneter, eine Rede und erläuterte die Arbeit der Stiftung. Freller betonte vor allem die Bedeutung von Zeitzeugenberichten für die Gedenkarbeit.

Bad Nauheim

Der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Monik Mlynarski, ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Der 1923 in Polen Geborene überlebte während der Schoa NS-Konzentrationslager und wurde in Buchenwald befreit. Er stand der Jüdischen Gemeinde seit 1986 vor. 2014 verlieh ihm die Stadt Bad Nauheim in Anerkennung seiner Verdienste um Aussöhnung die Ehrenbürgerwürde. Zu Mlynarskis Tod erklärte Bürgermeister Armin Häuser, der Gemeindevorsitzende habe das Bild Bad Nauheims als einer weltoffenen Stadt erheblich mitgeprägt.