16. Jahrgang Nr. 1 / 29. Januar 2016 | 19. Schwat 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Dortmund

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Ehrenpatenschaft für Elishama Efraim Apel, das jüngste Kind von Bilha und Rabbiner Avichai Apel, übernommen. Elishama Efraim ist der siebte Spross des Ehepaars. Apel amtiert als Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund und ist Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland. Die Ehrenpatenschaftsurkunde wurde den Eltern von Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau überreicht. Rabbiner Apel brachte seine Freude über die Übernahme der Ehrenpatenschaft durch das Staatsoberhaupt zum Ausdruck. Jedes Kind, so der 40-jährige Vater, bringe seine eigene Welt mit und sei eine Bereicherung. In der Bundesrepublik übernimmt der Bundespräsident die Ehrenpatenschaft für das siebte Kind, das von denselben Eltern oder jeweils von einem der Elternteile abstammt. Die Ehrenpatenschaft muss von den Eltern beantragt werden.

Sachsen-Anhalt

Im Dezember haben Vertreter der jüdischen Gemeinden, der evangelischen Landeskirchen sowie der katholischen Kirche in Magdeburg eine Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Sachsen-Anhalt gegründet. Zu den Vorsitzenden wurden Wadim Laiter, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg, Friedrich Kramer von der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt und Reinhard Grütz, Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg, gewählt.

Frankfurt

Das Jüdische Museum Frankfurt will seine Internetpräsenz erheblich ausbauen. Das hat Museumsdirektorin Mirjam Wenzel angekündigt. Dabei sollen Ausstellungsobjekte im Internetauftritt des Museums nicht nur abgebildet, sondern auch ausführlich erläutert und in den historischen Zusammenhang gestellt werden. Das jüdische Leben im Verlauf der Frankfurter Stadtgeschichte wird bei der Internetpräsentation ebenso eine wichtige Rolle spielen wie die Geschichte einzelner Familien. Der Internetauftritt soll zudem mit für die Geschichte der Frankfurter Juden wichtigen Beständen anderer Museen und Einrichtungen verlinkt werden.

Dresden

Am 17. Januar wurde im Jüdischen Gemeindezentrum in Dresden eine Ausstellung zur Rettung von Juden durch Polen während der Schoa eröffnet. Für das Projekt hat Kuratorin Klara Jackl aus Warschau auf der Basis von 400 Interviews die Geschichten der polnischen Retter zusammengetragen. Die Ausstellung verdeutlicht den historischen Kontext der deutschen Besatzung in Polen: Wurden polnische Bürger dabei entdeckt, dass sie Juden halfen, drohte ihnen die Todesstrafe. Begleitend zur Ausstellung fand am 20. Januar in der Dresdener Gedenkstätte Münchner Platz ein Informationsabend zu Stolpersteinen für polnische Juden in Dresden und zur „Polenaktion“, der Abschiebung polnischer Juden im Jahr 1938, statt.

Krefeld

In der Jüdischen Gemeinde Krefeld wurde der Bau einer Frauen-Mikwe abgeschlossen. Die Realisierung des Projekts hat zehn Jahre in Anspruch genommen. Um die Einhaltung aller für eine Mikwe geltenden halachischen Regeln sicherzustellen, wurde ein rabbinischer Experte für den Mikwe-Bau aus den USA zurate gezogen. Nach der Fertigstellung des Ritualbads betonte der Krefelder Gemeinderabbiner Yitzchak Mendel Wagner die identitätsstiftende Rolle der Mikwe im Judentum.

Hannover

Mehr als 150 Gäste versammelten sich zu Chanukka im „Jüdisch-Bucharisch-Sefardischem Zentrum Deutschland in Hannover“. Unter ihnen waren der 1. Bürgermeister Thomas Hermann und der Bezirksbürgermeister von Ricklingen, An­dreas Markurth.
Der Vorstandsvorsitzende Michail Dawidow erklärte, die Gemeinde wachse beständig und fördere jüdische Erziehung, Bildung, Kunst und Kultur. Ruben Motaew, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, betonte, die Gemeinde leiste sehr viel für Kinder. Es gebe bereits eine Sonntagsschule und zahlreiche Projekte, ein Kindergarten sei in Planung. Thomas Hermann wünschte der Gemeinde im Namen von Oberbürgermeister Stefan Schostok weiterhin Erfolg. Andreas Markurth brachte seine Genugtuung darüber zum Ausdruck, dass sich die Gemeinde und ihre Mitglieder in Ricklingen wohlfühlen.

Wien

Einen neuen Besucherrekord konnte das Jüdische Museum Wien im Jahr 2015 verbuchen. Nach Mitteilung des Museums konnten im vergangenen Jahr 118.000 Gäste begrüßt werden. Das waren drei Prozent mehr als im Vorjahr – in dem ebenfalls ein Rekordwert erzielt worden war.