15. Jahrgang Nr. 12 / 18. Dezember 2015 | 6. Tewet 5776

Immigranten

Israel will mehr Menschen jüdischer Abstammung aus Äthiopien aufnehmen

Die israelische Regierung hat beschlossen, bisher noch in Äthiopien lebende Personen jüdischer Abstammung, die bestimmte Bedingungen erfüllen, nach Israel einwandern zu lassen. Schätzungen gehen von 6000 bis 9000 Einwanderungsberechtigten aus.
Seit Anfang der achtziger Jahre sind rund 90.000 Menschen aus Äthiopien in Israel eingewandert. Dabei handelte es sich um zwei unterschiedliche Gruppen. In den achtziger, zum Teil auch in den neunziger Jahren waren die Einwanderer äthiopische Juden (Beta Israel), die im Laufe der Geschichte eine eigene Variante des Judentums entwickelt hatten, aber als Juden anerkannt wurden. Deshalb hatten sie einen Anspruch auf Alija im Rahmen des Rückkehrgesetzes.
Später wurde Nachfahren getaufter Juden, den sogenannten Falaschmura, der Zuzug erlaubt, doch geschah dies nicht auf Grundlage des Rückkehrgesetzes, sondern aufgrund einer Sonderregelung und war mit einem in Israel vorzunehmenden Übertritt zum Judentum verbunden. Im Jahr 2013 erklärte die Regierung die Zuwanderung der Falaschmura für beendet. Allerdings leben in Auffanglagern in Äthiopien noch immer Angehörige dieser Gruppe, die auf eine Immigrationsgenehmigung warten. Im Rahmen des jüngsten, im November getroffenen Beschlusses will die Regierung Personen, die Verwandte ersten Grades in Israel haben, in den Auffanglagern leben und bereit sind, in Israel zum Judentum überzutreten, die Immigration erlauben. Es wird erwartet, dass diese Einwanderungswelle innerhalb von fünf Jahren abgewickelt werden kann. Danach soll es keine organisierte Zuwanderung aus Äthiopien mehr geben.
Nach Angaben des israelischen Zen­tralamts für Statistik leben in Israel heute 138.000 Menschen äthiopischer Abstammung. Als solche werden Personen bezeichnet, die in Äthiopien geboren wurden oder von einem in Äthiopien geborenen Vater stammen. Dabei zeigt sich, dass inzwischen fast vier von zehn Israelis äthiopischer Abstammung nicht mehr in dem ostafrikanischen Staat, sondern in Israel zur Welt gekommen sind. In den kommenden Jahren – in jedem Fall aber nach Abschluss der jetzt anvisierten Zuwanderungswelle – wird der Anteil der „Sabres“ (im Land geborenen Israelis) an dieser Bevölkerungsgruppe weiter steigen.
Die Integration der überwiegend aus einer – im Gegensatz zu Israel – technologieärmeren Gesellschaft stammenden Äthiopien-Immigranten erwies sich als ein nicht immer einfaches Unterfangen. Auch bei in Israel geborenen Bürgern mit äthiopischem Hintergrund gibt es noch sozioökonomische Defizite gegenüber der allgemeinen Bevölkerung, doch sind sie deutlich kleiner als bei den Einwanderern der ersten Generation.

wst