15. Jahrgang Nr. 12 / 18. Dezember 2015 | 6. Tewet 5776

Aus Plan wird Wirklichkeit

2016 nimmt das jüdische Gymnasium in Düsseldorf seinen Lehrbetrieb auf

Von Zlatan Alihodzic

Nach langen Vorbereitungen hat es die Jüdische Gemeinde Düsseldorf geschafft: Am 24. August 2016 nimmt in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt ein jüdisches Gymnasium den Lehrbetrieb auf. Damit gesellt sich Düsseldorf zu Berlin und Frankfurt, die ebenfalls mit einem jüdischen Gymnasium aufwarten können.
Zunächst startet die Düsseldorfer Schule in einer provisorischen Unterkunft. Zwei Jahre später soll der für sie vorgesehene Neubau im Stadtteil Rath fertiggestellt sein. „Wir kommen“, erklärt Szentei-Heise, „in ein Provisorium, das aber für unsere Zwecke gut hergerichtet wird, und ziehen dann in einen neu gebauten Komplex um. Damit sind wir sehr zufrieden“, erklärt der Verwaltungsdirektor. Endlich würden Ergebnisse der langen Vorbereitungsphase sichtbar.
Das Gymnasium wird vierzügig mit der fünften Klasse starten, jedes Jahr kommt ein neuer vierzügiger Jahrgang hinzu. Wenn dann alle Jahrgänge zwischen der fünften Klasse und dem Abi­turjahrgang gefüllt sind, lernen rund 700 Schülerinnen und Schüler an der staatlich anerkannten Ersatzschule, als die das Gymnasium geführt wird. Wie der Leiter der neuen Lernstätte, Michael Bock, schätzt, wird etwa die Hälfte der Schulkinder aus nichtjüdischen Familien kommen.
Bock, 67, ist pensionierter Lehrer. Ihm fällt die Aufgabe zu, das Gymnasium aufzubauen. Mit den Plänen dafür ist er bereits seit zwei Jahren beschäftigt. Das provisorische Gebäude, betont er, genüge allen Ansprüchen, ein Parkplatz werde in den Pausenhof verwandelt, die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler könne gewährleistet werden. Außerdem müsse man „die Eröffnung nicht noch mal ein oder zwei Jahre aufschieben, denn dadurch würden uns Kinder verloren gehen, die aus der jüdischen Grundschule kommen und dann woanders eingeschult werden“, erläutert Bock einen weiteren guten Grund für den Einzug ins Provisorium.
Zu den jüdischen Lerninhalten gehört unter anderem Hebräisch, das alle Kinder schon ab der fünften Klasse neben Englisch lernen werden. Den Lehrplan für Hebräisch in der Sekundarstufe 1 wollen die Düsseldorfer aus Berlin übernehmen – in Nordrhein-Westfalen gibt es einen solchen Plan bisher nicht. Außerdem möchte man an der Schule Wert auf die „MINT“-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik legen. Intensive Beschäftigung mit Sprachen und mit musischen Fächern ist ebenfalls geplant. „Es hängt viel von den Wünschen der Kinder und ihrer Eltern ab, da gibt es einige Varianten“, erklärt Bock.
Vieles muss sich die Jüdische Gemeinde Düsseldorf selbst erarbeiten. Das wird eine große Aufgabe, auf die sich der zukünftige Schulleiter allerdings sehr freut. „Es war schon immer mein Wunsch, eine Schule zu führen“, erzählt Bock. Deshalb sagte er auch zu, als die Gemeinde ihn fragte, ob er diese Aufgabe übernehmen könne. Wenn das Gymnasium an seinen endgültigen Standort umzieht, wird Michael Bock allerdings seinen Hut endgültig nehmen. „Das“, sagt er, „habe ich meiner Frau versprochen.“