15. Jahrgang Nr. 12 / 18. Dezember 2015 | 6. Tewet 5776

Lernen und Feiern

Am zweiten Schabbaton in Basel nahmen junge Menschen aus vier Ländern teil

Von Peter Bollag

Rund 150 jüdische Studenten und junge Berufstätige aus vier Ländern – der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Großbritannien – nahmen am Wochenende des 13. bis 15. November am zweiten Schabbaton der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) teil. Den Termin werden die Teilnehmer wohl niemals vergessen: Während sie am Erew Schabbat in der Gemeinde am Abendessen teilnahmen, ereignete sich in Paris die Terroroffensive, die 130 Menschenleben forderte. Nach Bekanntwerden der Anschläge wurden die Sicherheitsvorkehrungen beim Schabbaton deutlich verstärkt, vor allem für den Stadtrundgang am Schabbat-Nachmittag. Natürlich überschatteten die Ereignisse in Paris die Gedanken und Gefühle der Teilnehmer. Ihr Interesse an dem reichhaltigen Programm, das die Veranstaltung bot, blieb dennoch ungebrochen.
So lehrreich und informativ das Seminar war, so kam das Unterhaltungsprogramm nicht zu kurz: In einem Lokal in der deutschen Grenzstadt Lörrach, vom Basler Stadtzentrum nur wenige Minuten entfernt, wurde eine ausgiebige „Laser-Party“ gefeiert – eine Party, die dann in einem Lokal in der Innenstadt von Basel noch weiter ausgedehnt wurde, für manche der Schabbaton-Gäste bis in die frühen Morgenstunden.
Am Sonntag beteiligten sich die Teilnehmer in großer Zahl am Lerntag des Basler jüdischen Lehrhauses „Schomre Torah“, das auf diese Weise seinen 120. Geburtstag beging. Aus zahlreichen Schiurim, Workshops und Vorträgen zu biblischen, historischen, aber auch aktuellen innerjüdischen Themen konnten die insgesamt weit über 250 Anwesenden – Schabbaton-Gäste und andere – auswählen.
Die Schiurim befassten sich mit dem aktuellen Wochenabschnitt, aber auch mit anderen biblischen Themen. Besondere Aufmerksamkeit fand der Vortrag des heute in Jerusalem lebenden Mediziners Beni Gesundheit, der in Basel aufgewachsen ist und in der Stadt auch sein Studium absolvierte. Er befasste sich mit der Person von Rabbiner Abraham Jitzchak Kook (1865–1935), dem ersten aschkenasischen Oberrabbiner des neugegründeten jüdischen Gemeinwesens im Land Israel. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte der Referent die klar zionistische Haltung des streng orthodoxen Gelehrten auf, die sich von derjenigen zahlreicher anderer – auch im damals von den Osmanen und später den Briten regierten Israel – abhob. So soll er einmal bei einem Besuch in einem nichtreligiösen Kibbuz des linken Ha-Schomer Ha-Tzair sogar die Kleider mit einem Kibbuznik getauscht und daraufhin mit den säkular eingestellten Mitgliedern des Haschomer Hazair getanzt haben.
An die Schiurim schloss sich eine Podiumsdiskussion zum Thema „Juden in Europa: gehen oder bleiben?“ an. Zum Ausklang des Wochenendes wurden die Teilnehmer mit einem Vortrag des früheren aschkenasischen Oberrabbiners Israels und heutigen Oberrabbiners Tel Avivs, Rabbiner Israel Meir Lau, belohnt. Er appellierte an die Einheit des jüdischen Volkes. Diese Einheit sei aus der historisch einzigartigen jüdischen Kontinuität heraus gewachsen. In Jerusalem und den anderen Städten in Israel wie auch in der Diaspora würden heute noch dieselben Gebete gesprochen, derselbe Priestersegen verkündet wie zuzeiten der Bibel und der Propheten.
Mit Blick auf den jüdischen Kalender meinte Rabbiner Lau, der am Schluss seiner Ausführungen eine stehende Ovation des Publikum erhielt: „Genau heute in drei Wochen werden auf der ganzen Welt in jüdischen Häusern, wo immer sie auch stehen, die Chanukka-Lichter angezündet. Auch dies wird ein schöner, einzigartiger Moment der Einheit sein.“