5. Jahrgang Nr. 2 / 24. Februar 2005 15. Adar I 5765

Mit Herz und Seele dabei

Egal, ob Liedermacher Sergej Master auf der Bühne oder im Büro ist, sein Kommunikationstalent kommt überall an – ein Beispiel für gelungene Integration

Von Irina Leytus


„Lange nicht gesehen! Schön, dass du wieder da bist. Gehst du als Übernächster auf die Bühne?“ Als alter Bekannter wird er im Berliner Café „Harlem“ vom Publikum begrüßt: Sergej Master. Ein sportlich-elegant gekleideter junger Mann begrüßt das Publikum mit leichtem russischen Akzent und fängt an zu singen - und zwar auf Deutsch.

Wie kommt ein 32-Jähriger, der in Odessa geboren und vor zehn Jahren nach Deutschland eingewandert ist, dazu, Liedertexte auf Deutsch zu schreiben? „Das fing damit an, dass ich meinen deutschen Freunden meine russischen Lieblingslieder verständlich machen wollte und diese ins Deutsche übersetzt beziehungsweise übertragen habe.“ So „erging“ es vielen modernen russischen Liedern, vor allem von Makarevich und Nikolski.

Eines Tages trat die Kabarettistin Cora Frost, die 1998 ein Programm für die jüdischen Kulturtage vorbereitete, mit der Bitte an ihn heran, „russisch-jüdische Klassiker“ der berühmten Musikszene Odessas ins Deutsche zu übertragen. Wenn Sergej – waschechter und begeisterter „Odessit“ - von diesem Projekt erzählt, funkeln seine Augen: „Es ist ja nicht nur die Sprache, es ist die ganz spezielle Atmosphäre von Odessa, der Lebensstil seiner Bewohner und ihr Humor...“ Das Programm war ein großer Erfolg.

So sehr Sergej die Liedermacherei auch am Herzen liegt, so ist sie nur eins von Sergejs Standbeinen. Denn eigentlich ist er Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt Marketinganalyse. Gleich nach dem Studium 1999 war Sergej Einkäufer bei einem Großhändlers für Kinderbekleidung. Sergej erinnert sich gerne an diesen Job: Es machte ihm Spaß, mit internationalen Verhandlungspartnern ins Geschäft zu kommen, seine Marketing-Kenntnisse einsetzen zu können und ein Gespür für Stil und Trends zu entwickeln. Um so größer war die Enttäuschung, als er wegen einer betrieblichen Umstrukturierung gehen musste. Es folgte ein Jahr ohne Arbeit.

Schließlich landete er bei einem Berliner Bürobedarfs-Unternehmen, für das er einen Onlineshop entwickeln sollte. Wegen seiner organisatorischen Qualitäten wurde er von einem Geschäftspartner abgeworben, um in Frankfurt am Main ein neues Unternehmen aufzubauen. Und das war für den leidenschaftlichen Berliner absolutes Neuland: Plötzlich sollte er sich mit ambulanter Alten- und Krankenpflege beschäftigen. Das schreckte Sergej jedoch nicht ab: Mit viel Engagement fing er im Sommer 2004 als Geschäftsführer von „AAA Mobile Hauskrankenpflege“ an: Er suchte Räume, stellte Personal ein, akquirierte Kunden.

Hier hat das Sprach- und Musiktalent alle Freiheiten, den sein Kommunikationstalent scheint „sprachübergreifend“ zu sein – die Menschen spüren, dass Sergej mit Herz und Seele bei der Sache ist.

Und vielleicht ist gerade das der Schlüssel zu seinem Erfolg im Beruf und auf der Bühne: Denn auch in Frankfurt am Main gibt es schon Musikcafés, in denen Sergejs Liederabende ungeduldig erwartet werden.