15. Jahrgang Nr. 12 / 18. Dezember 2015 | 6. Tewet 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Chemnitz

Am 30. November 2015 feierte der Ehrenvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, Siegmund Rotstein, seinen 90. Geburtstag. In der NS-Zeit war der gebürtige Chemnitzer Rotstein antijüdischer Verfolgung ausgesetzt und wurde später in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung kehrte er nach Chemnitz zurück und nahm am Aufbau der jüdischen Gemeinde in der Stadt teil. Im Jahr 1966 wurde er zum Gemeindevorsitzenden gewählt und übte dieses Amt auch nach der deutschen Vereinigung – insgesamt 40 Jahre lang – aus. Im Zuge der Zuwanderung aus der ehemaligen UdSSR nahm die Zahl der Gemeindemitglieder, die in den achtziger Jahren bei nur noch einem Dutzend gelegen hatte, kräftig zu und beträgt gegenwärtig rund 600.

Emmendingen

Die Gründungsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Emmendingen, Ute Teschemacher, ist im Alter von 65 Jahren verstorben. Nach der Gründung der Gemeinde übte die Sonderschulpädagogin das Amt der Gemeindevorsitzenden 15 Jahre lang aus. In dieser Zeit gestaltete sie die Integration von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion prägend mit. Heute zählt die Gemeinde rund 360 Mitglieder.

Würzburg

In Würzburg fand am 26. November ein Schweigemarsch zum Gedenken an die Deportation von Juden durch das NS-Regime aus der Stadt am 27. November 1941 statt. Damals wurde die erste größere Gruppe von Juden – rund 200 Menschen, unter ihnen auch Kinder – deportiert. An der von der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken sowie der christlichen Gemeinschaft Sankt Egidio organisierten Veranstaltung nahmen unter anderem Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt sowie Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, teil. Christian Schuchardt bezeichnete die Erinnerung an die Schoa als Mahnung, allen menschenverachtenden Geisteshaltungen und Verhaltensweisen entschlossen entgegenzutreten. Dr. Schuster betonte bei seiner Rede, dass ihn hellhörig mache, wenn es heute aus der rechtsextremen Ecke töne, man wolle das Christentum vor dem Islam retten. „Mit Christentum haben die Aufmärsche, wie wir sie erleben, wahrlich nichts zu tun. Wir dürfen den Rattenfängern am rechten Rand nicht das Feld überlassen“, führte der Zentralratspräsident aus.

Limburg

Die Gedenktafel für die alte, von den Nazis zerstörte Limburger Sy­nagoge an der Schiede wurde von der Stadt der jüdischen Gemeinde der Stadt übereignet. An der Stelle der alten Synagoge erinnert heute ein Bronzemodell an das in der „Reichskristallnacht“ niedergebrannte und dann abgerissene Gotteshaus. Damit bleibt das Gedenken an die alte Synagoge erhalten. Die Gedenktafel wurde im heutigen Zentrum der jüdischen Gemeinde angebracht und ist von Bildern der ehemaligen Synagoge umgeben. Bei der feierlichen Übergabe der Tafel dankte Elena Kopirovskaja, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, der Stadt für die Überlassung der Tafel. Die erste urkundliche Erwähnung jüdischen Lebens in Limburg datiert ins 13. Jahrhundert.