15. Jahrgang Nr. 12 / 18. Dezember 2015 | 6. Tewet 5776

Gäste und Gastgeber

Bundespräsident Gauck besuchte Israel – Knesset-Delegation kam nach Berlin

Am 5. und 6. Dezember besuchte Bundespräsident Joachim Gauck Israel. Das deutsche Staatsoberhaupt war Gast von Israels Staatspräsident Reuven Rivlin und erhielt auch die Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität in Jerusalem. Der Besuch markierte zugleich den Abschluss des aus Anlass des 50. Jahrestages der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel feierlich begangenen Jahres 2015.
Während des Besuchs gingen beide Präsidenten auch auf ihre persönlichen Erfahrungen im Verhältnis zwischen ihren Ländern ein. Rivlin erzählte, vor einem halben Jahrhundert habe er an stürmischen Demonstrationen gegen die Aufnahme offizieller Beziehungen zu Deutschland teilgenommen. Jetzt, nachdem er in der Präsidialresidenz die deutsche Nationalhymne gehört habe – etwas, wogegen er damals auf die Straße gegangen war –, habe sich für ihn persönlich ein Kreis geschlossen, ein Kreis jedoch, der zugleich offen bleibe.
In seiner Rede an der Hebräischen Universität wiederum erklärte Gauck: „In der DDR hat es nur wenige Juden gegeben. Erst bei meinen Reisen nach Israel, die ich nach Maueröffnung und Wiedervereinigung unternahm, vermochte ich deshalb in Begegnungen und Gesprächen mit Überlebenden in ganzer Tiefe zu erfassen, wie stark Verfolgung, Vernichtung und Völkermord die Seelen der Überlebenden und selbst noch der Nachfahren verstört hatten.“
Indessen betonten beide Präsidenten auch die Zukunft. „Heute wissen wir, dass die israelisch-deutschen Beziehungen richtig und notwendig sind“, führte Rivlin aus und fügte hinzu: „Es ist unser Schicksal, für immer in einem Verhältnis von Schmerz und Hoffnung verbunden zu sein.“ Seinerseits erklärte Gauck, die Vergangenheit werde andauernd in das Geflecht der beiderseitigen Begegnungen eingewoben bleiben. Allerdings könne die Vergangenheit Gegenwart und Zukunft nicht mehr allein bestimmen.
Anfang Dezember besuchte eine Delegation der Knesset unter Vorsitz des Knesset-Vorsitzenden Juli Edelstein Deutschland. Dabei handelte es sich um einen Gegenbesuch: Im Juni hatte eine Delegation des Deutschen Bundestages unter Leitung von Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert Jerusalem besucht.
Während des Besuchs der Knesset-Delegation fand eine gemeinsame Sitzung der Präsidien des Bundestages und der Knesset statt. Die israelischen Gäste wurden auch von Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel empfangen und kamen mit der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe unter Vorsitz des Bundestagsabgeordneten Volker Beck zusammen. Auf der Tagesordnung des Besuchs stand auch eine Diskussion über das Format des parlamentarischen Forums, in dessen Rahmen künftig jährliche Begegnungen zwischen Abgeordneten der Knesset und des Deutschen Bundestages stattfinden sollen.
Am ersten Besuchstag nahmen der Bundestagspräsident und der Knesset-Vorsitzende an einer Gedenkfeier am Berliner Mahnmal Gleis 17 teil. In einer Ansprache erklärte Edelstein: „Hier wurde die Wahnsinnsidee mit dem eleganten Namen ,Endlösung‘ in die Tat umgesetzt. Heute sind wir wieder aufgefordert, die Augen nicht vor den Gefahren der Vernichtung, des Rassismus, des Hasses und der Machtgelüste zu schließen.“ Prof. Dr. Lammert erinnerte an die Worte des ersten israelischen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion: „Es ist unsere Pflicht sicherzustellen, dass es niemals eine zweite Schoa geben wird.“ Dies, so Prof. Dr. Lammert, gelte auch heute.

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