15. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2015 | 18. Kislew 5776

Fachwissen, Präzision und Einfühlsamkeit

Interview mit Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Verlagsleiter im Ernst Klett Verlag, zur Darstellung Israels in Schulbüchern

Zu den wichtigsten deutschen Schulbuchverlagen gehört der Ernst Klett Verlag in Stuttgart. Im Gefolge der Zentralrat-Konferenz zum Israel-Bild in deutschen Schulbüchern sprach die „Zukunft“ mit Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Verlagsleiter im Ernst Klett Verlag, über die Behandlung des Themas „Israel“ durch den Verlag.

Zukunft: Herr Dr. Körner-Wellershaus, in welchen Büchern Ihres Verlagsprogramms kommt Israel vor?
Dr. Ilas Körner-Wellershaus: In Schulbüchern zu den Fächern Geschichte, Erdkunde, Politik und zu dem Kombifach Gesellschaftswissenschaften. Im Fach Religion kommt Israel ebenfalls in relevanten Zusammenhängen vor.
Allerdings hängt die Behandlung des Themas „Israel“ vom Lehrplan des jeweiligen Bundeslandes ab. Daher kann es in verschiedenen Landesausgaben ein- und desselben Buches in unterschiedlichem Umfang berücksichtigt werden oder auch gänzlich entfallen. Das hängt nicht von den Verlagen ab. Nur in bestimmten Fällen können wir die Gewichtung Israels im Rahmen eines übergreifenden Themas beeinflussen.

Stimmen Sie der Auffassung zu, dass Israel zu knapp behandelt wird?
Auch das hängt von den jeweiligen Lehrplanvorgaben ab, die festlegen, wie viele Unterrichtsstunden für ein konkretes Thema vorgesehen sind. Ob dem Verlag zehn Seiten oder nur zwei oder drei zur Verfügung stehen, macht einen großen Unterschied. Bei zwei Seiten ist es in der Tat schwer, einen umfassenden Überblick über ein ganzes Land bieten zu wollen. Hierbei kann man sich nur auf die wesentlichen Aspekte des vorgesehenen Lernstoffes konzentrieren.

Erst recht, wenn der Nahostkonflikt im Mittelpunkt steht, wie ja ebenfalls kritisiert wird.
Wir halten es für wichtig, nicht nur den Nahostkonflikt, sondern auch die israelische Gesellschaft und die israelische Demokratie darzustellen. Das tun wir auch. Um Ausgewogenheit zu gewährleisten, finden lange und intensive Beratungen zwischen den Autoren und der Redaktion statt.
Das bedeutet aber nicht, dass wir keine Kritik akzeptieren. Wir hinterfragen auch uns selbst. So haben wir den an die Schulbuchverlage erhobenen Vorwurf, eine zu sehr auf den Nahostkonflikt bezogene Bilderauswahl zu verwenden, ernstgenommen. Spätestens seit 2013 haben wir das korrigiert.

Wie?
Unter anderem bringen wir mehr Bilder vom israelischen Alltag. Wir heben uns damit bewusst von der Medienberichterstattung ab, die sich in der Tat sehr stark auf den Nahostkonflikt konzentriert.

Zum Nahostkonflikt: Wie versuchen Sie, bei diesem Thema für eine ausgewogene Darstellung zu sorgen?
Auch dafür sind eine gut durchdachte Konzeption und enge Abstimmungen mit den Autoren erforderlich, und es gibt dabei viele Aspekte. So etwa achten wir bei der Darstellung der israelischen und der palästinensischen Standpunkte auf eine Gleichwertigkeit der Quellen. Wenn wir beispielsweise als Quellentext einen Auszug aus einer Rede des israelischen Ministerpräsidenten bringen, dann werden wir diesem Text keine gefühlsbetonte Aussage eines palästinensischen Jugendlichen, sondern eine ebenfalls politische Äußerung von palästinensischer Seite gegenüberstellen. Das ist eine Gegenüberstellung, die auch auf Emotionen des jungen Lesers Rücksicht nimmt.

Stört es Sie, dass Ihnen beim Thema „Israel“ sehr genau zugeschaut wird?
Israel ist ein Thema, das nicht nur Fachwissen, sondern auch Präzision und viel Einfühlsamkeit verlangt. Da kommt man sich schon manchmal wie unter dem Vergrößerungsglas vor, was aber auch seine Vorteile hat: Es ist ein Ansporn, den Anforderungen des Themas gerecht zu werden. Das war auch ein Grund, warum ich bei der Schulbuch-Tagung des Zentralrats in Berlin mit dabei war.