15. Jahrgang Nr. 11 / 30. November 2015 | 18. Kislew 5776

Aus den Gemeinden – Jüdisches Leben

Berlin

Im Alter von 90 Jahren ist der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Alexander Brenner, verstorben. Bis zu seinem Tode war Dr. Brenner auch Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Der Präsident des Zentralrats, Dr. Josef Schuster, würdigte den Verstorbenen und erklärte, Dr. Brenner habe sich in herausragender Weise für die jüdische Gemeinschaft engagiert. Besonders am Herzen habe ihm die Integration der russischsprachigen Zuwanderer gelegen. „Dabei“, so Dr. Schuster, „haben wir alle von seiner reichen Erfahrung aus seinen Tätigkeiten im Ausland profitiert. Wir werden Alexander Brenner ein ehrendes Andenken bewahren.“
Dr. Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, betonte, Dr. Brenners Stimme bei der Bekämpfung des Antisemitismus und sein Einsatz für einen lebensfähigen Staat Israel in sicheren Grenzen würden unvergessen bleiben. Dr. Joffe bezeichnete seinen Amtsvorgänger, der in den Jahren 2001 bis 2004 Gemeindevorsitzender war, als eine herausragende Persönlichkeit und einen weit über die Gemeinde hinaus geschätzten Menschen.
Der 1925 in Polen geborene Brenner wurde 1940 mit seiner Familie von den sowjetischen Behörden nach Sibirien deportiert. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zog die Familie nach Deutschland. Brenner promovierte im Jahr 1964 und war wissenschaftlich tätig. Später diente er als Diplomat an den deutschen Botschaften in Moskau und in Tel Aviv.

Hannover

Die liberale jüdische Gemeinde (Etz Chaim) in Hannover hat ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster würdigte die Tätigkeit der Gemeinde und ihre feste Verankerung in der jüdischen Gemeinschaft der Bundesrepublik sowie der Stadt Hannover. Der Zentralratspräsident betonte auch das Engagement von Katarina Seidler, in deren Privatwohnung die Gemeinde ihren ersten Standort gehabt hatte, sowie von Ingrid Wettberg, die seit 1999 als Gemeindevorsitzende fungiert. Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hob bei dem Jubiläumsfestakt auch die große Rolle der Gemeinde im interreligiösen und interkulturellen Dialog hervor.
Seit der Gründung hat sich die Mitgliederzahl der Gemeinde auf rund 800 verzehnfacht. Damit ist Etz Chaim die größte liberale jüdische Gemeinde in Deutschland. Seit 2009 verfügt sie über ein eigenes Gemeindezentrum, in dem auch eine breite Palette von Studien- und Kulturveranstaltungen angeboten wird.

Lörrach

In Lörrach ist der Verkauf koscherer Lebensmittel angelaufen. In der im äußersten Südwesten Deutschlands an der Grenze zur Schweiz gelegenen Stadt führt der „Intermarkt Sibirien“ seit einigen Wochen ein koscheres Sortiment. Diesem Schritt gingen ausführliche Beratungen mit dem Lörracher Gemeinderabbiner Moshe Flomenmann voraus. Bereits seit 2012 stellt die lokale Bäckerei Heiner’s Backparadies – ebenfalls in Abstimmung mit dem Rabbiner – koschere Backwaren her, die nicht nur Kunden aus dem engeren Einzugsgebiet der Gemeinde, sondern unter anderem auch aus Basel anziehen.

Preis

Das Jüdische Museum Berlin hat seinen „Preis für Verständigung und Toleranz“ in diesem Jahr seinem Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal verliehen. Die Auszeichnung wurde Blumenthal von seinem Nachfolger, dem heutigen Museumsdirektor Peter Schäfer, überreicht. Mit dem „Preis für Verständigung und Toleranz“ werden seit 2002 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Politik ausgezeichnet, die sich auf herausragende Weise um Verständigung und Toleranz verdient gemacht haben.
Die Laudatio auf den Preisträger hielt Bundespräsident Joachim Gauck. Gauck würdigte Blumenthal als „einen Mann, dessen Lebenswerk und dessen ganze Biografie in beispielloser Weise für Verständigung und Toleranz stehen.“ Gerade vor dem Hintergrund der am Vortag verübten Terroranschläge von Paris, so das Staatsoberhaupt, werde spürbar, wie kostbar die Werte von Verständigung und Toleranz seien. Es sei wichtig, sie mit aller Entschlossenheit gegen die Feinde der Freiheit und gegen Extremisten aller Art zu verteidigen.
In seiner Dankesrede sagte Blumenthal, der Preis sei ein wunderbares Geschenk, doch habe er, in Deutschland, ein viel größeres Geschenk bekommen, „eines der schönste meines Lebens“: die Einladung, 1997 nach Berlin zu kommen, um am Projekt des Jüdischen Museums Berlin mitzuarbeiten. Ferner betonte der Blumenthal in seiner Rede, das jüdisch-nichtjüdische Verhältnis in Deutschland bleibe weiterhin von großer Bedeutung.