15. Jahrgang Nr. 10 / 30. Oktober 2015 | 17. Heshvan 5776

„Was ich immer schon wissen wollte ...“

Glossar mit Begriffen des Judentums – von Rabbiner Dr. Joel Berger

Jeruscha (hebräisch; auf Jiddisch: Jerusche): Erbe, Erbschaft.

In der Tora wurden feste Regeln für die Erbfolge und für die Erben erlassen. Ein Testament hatte keine rechtliche Gültigkeit.
Die Erben des Vaters waren vor allem seine Söhne. In Erinnerung an das Erstgeburtsrecht erhielt der älteste Sohn den doppelten Anteil (5. Buch Mose 21, 16–17), musste aber auch seine Mutter versorgen und wurde nach dem Tode des Vaters Familienoberhaupt.
Im 4. Buch Mose (27:8–11) wird beschlossen: „Wenn ein Mann stirbt und keinen Sohn hat, so sollt ihr sein Erbe auf seine Tochter übergehen lassen. Wenn er auch keine Tochter hat, sollt ihr sein Erbe seinen Brüdern übergeben. Wenn er keine Brüder hat, sollt ihr sein Erbe den Brüdern seines Vaters übergeben. Wenn sein Vater keine Brüder hat, sollt ihr es seinem nächsten Verwandten in seiner Sippe geben, damit er es in Besitz nimmt.“ Die Witwe hatte ein Anrecht auf Versorgung durch die Familie, aber galt nicht als Erbin. Dies galt für die biblische Zeit. In rabbinischer Zeit wurden die vermögensrechtlichen Verhältnisse in der Ketuba (Ehevertrag) festgehalten. Damit war auch die Witwe abgesichert.