15. Jahrgang Nr. 10 / 30. Oktober 2015 | 17. Heshvan 5776

Anerkennung

Der Zentralrat der Juden in Deutschland zeichnete 900 Kriegsveteranen mit Ehrennadeln und Urkunden aus

Zum Jahreswechsel 5775/5776 erhielten 900 jüdische Veteranen des Zweiten Weltkriegs Post vom Zentralrat der Juden in Deutschland. Die Sendungen enthielten Ehrenurkunden und Ehrennadeln für die ehemaligen Angehörigen der Roten Armee, die seinerzeit am Kampf gegen das Dritte Reich teilgenommen hatten. Die Versandaktion fand im Nachgang zu dem Festakt statt, mit dem der Zentralrat im Mai dieses Jahres jüdische Kriegsveteranen, die heute in der Bundesrepublik leben, geehrt hatte (siehe „Zukunft“-Ausgabe 5/2015).
Die damalige Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Veteranen, Ghetto- und KZ-Gefangenen sowie der Überlebenden der Leningrader Blockade statt. Als Zeichen der Anerkennung, die die jüdische Gemeinschaft in Deutschland den Veteranen entgegenbringt, überreichten führende Vertreter des Zentralrats und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin den rund 60 damals beim Empfang anwesenden Veteranen Ehrennadeln des Zentralrats. Die speziell für diesen Anlass entworfene Auszeichnung zeigt einen Stern, aus dem eine Flamme emporschießt.
Die Veranstaltung kam nicht nur bei den Anwesenden gut an. Im Anschluss an den Tag des Sieges erreichten den Zentralrat zahlreiche weitere Anfragen von Veteranen, die nicht dabei waren oder auch nicht im Bundesverband organisiert sind. Deshalb wandte sich der Zentralrat an alle jüdischen Gemeinden in Deutschland mit der Bitte um Auskunft über Veteranen in ihren Reihen. Der Zuspruch war groß. Insgesamt 37 Gemeinden meldeten sich, um für Veteranen unter ihren Mitgliedern die Ehrung zu beantragen. Vor Rosch Haschana gingen mehr als 900 eigens produzierte Ehrennadeln mit Urkunden an die inzwischen hochbetagten Frauen und Männer per Post. Jede Nadel wurde mit einem Aufkleber mit dem Schriftzug „Danke“ an der Urkunde befestigt, in die Urkundenmappe gelegt und mit einem persönlichen Anschreiben in die Versandtasche gepackt.
Den damit verbundenen Zeitaufwand nahmen die mit der Mission beauftragten Zentralratsmitarbeiter gern auf sich. Jedem war es wichtig, den Veteranen eine Freude zu machen und die ihnen zustehende Würdigung zukommen zu lassen und damit eine Mitzwa zu vollbringen.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Ein 88-jähriger Veteran betonte beispielsweise, von den zahlreichen Auszeichnungen, die er für seine Kriegsteilnahme und seinen Kampfeinsatz erhalten habe, sei diese für ihn die wertvollste, da sie erstmalig von einer jüdischen Organisation komme und er sich Zeit seines Lebens als Jude gefühlt habe. Allerdings meldeten sich nicht nur Veteranen zu Wort. Unter anderem bedankten sich auch Enkelkinder für die ihren Großeltern ausgesprochene Würdigung. Damit trug die Versandaktion auch zur Stärkung der Brücken zwischen den Generationen bei – ein Anliegen, dass den Veteranen, wie sie selbst immer wieder betonen, besonders wichtig ist.

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