15. Jahrgang Nr. 10 / 30. Oktober 2015 | 17. Heshvan 5776

Trauer um Meinhard Tenné

Ende September ist der ehemalige Vorstandssprecher der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) und ehemaliges Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland, Meinhard Tenné, im Alter von 92 Jahren verstorben. Sein Tod löste in der jüdischen Gemeinschaft wie über ihre Grenzen hinaus Trauer aus.
Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats, erklärte: „Der Tod von Meinhard Tenné sel. A. ist für die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs sowie für die gesamte jüdische Gemeinschaft in Deutschland ein herber Verlust. Meinhard Tenné gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der Generation der Schoa-Überlebenden. Trotz seines schweren Schicksals streckte er die Hand zur Versöhnung aus und setzte sich für eine Verständigung zwischen Juden und Christen ein. Tenné scheute das klare Wort nicht, brachte aber vor allem eine tiefe Gläubigkeit gepaart mit großer Toleranz mit. Damit wurde er zu einem Brückenbauer. Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.“
Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte Tenné in Deutschland – allerdings mit einer langen Unterbrechung. Im Alter von 15 Jahren floh der 1923 in Berlin Geborene nämlich mit seinem Vater vor den Nazis in die Schweiz. Nach Israels Staatsgründung ließ er sich in Tel Aviv nieder. Fast zwei Jahrzehnte später, 1966, wurde er von der israelischen Regierung zum Leiter des israelischen Fremdenverkehrsbüros in Frankfurt ernannt. In den siebziger Jahren siedelte er nach Stuttgart über, wo er bis zuletzt lebte. Wie die IRGW in einer Würdigung betonte, bekleidete Tenné, der sich über viele Jahre im Gemeindeleben engagierte, das Amt des Vorstandssprechers unter anderem in den Jahren der jüdischen Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion.
Tenné gestaltete auch den interreligiösen Dialog in Stuttgart und in Württemberg maßgeblich mit. Unter anderem gehörte er zu den Gründern des Vereins „Haus Abraham“, der sich für das friedliche Miteinander der Religionen und für Toleranz einsetzt. Zudem war Tenné aktives Mitglied in zahlreichen anderen Vereinen und Institutionen.
Für sein Engagement wurde Meinhard Tenné vielfach ausgezeichnet. Er war Träger der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland. Auch wurde er von der Landeshauptstadt Stuttgart, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) und der IRGW sowie vom Bund Deutscher Dialog Institutionen (BDDI) geehrt.

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