15. Jahrgang Nr. 9 / 25. September 2015 | 12. Tischri 5776

An die Arbeit

Siebte Ordinationsfeier des Abraham Geiger Kollegs

Am 31. August feierte das Abraham Geiger Kolleg in der Synagoge „Beit Tikwa“ der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld seine 7. Ordination seit der Gründung dieses liberalen Rabbiner- und Kantorenseminars an der Universität Potsdam im Jahre 1999. Zwei Rabbinerinnen und zwei Rabbiner erhielten im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes aus der Hand des Präsidenten des Kollegs, Rabbiner Dr. Walter Jacob, ihre Ordinationsurkunde, die Smicha. Ein Kantor erhielt die Urkunde seiner Investitur.
Natalia Verzhbovska wird künftig als Rabbinerin die liberalen Gemeinden Köln, Oberhausen und Unna des progressiven Landesverbandes Jüdischer Gemeinden in Nordrhein-Westfalen betreuen. Alexander Grodensky tritt im luxemburgischen Esch-sur-Alzette seine Rabbinerstelle an. Rabbinerin Dr. Sonja Keren Pilz und Rabbiner Eli Reich werden vor allem wissenschaftlich arbeiten, in Teilzeit aber auch Gemeinden betreuen. Kantor Amnon Seelig will freiberuflich tätig sein, darüber hinaus aber am neuen Forschungszentrum „Dynamik ritueller Praktiken im Judentum“ der Universität Erfurt mitarbeiten.
An dem Ereignis nahmen die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, der Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, und die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Ulla Schmidt, teil. Den Zentralrat der Juden in Deutschland vertrat dessen Vizepräsident Abra­ham Lehrer, die Union progressiver Juden in Deutschland deren Vorsitzende Sonja Guentner.
Ministerpräsidentin Kraft drückte in ihrem Grußwort ihre Freunde darüber aus, dass mit Rabbinerin Verzhbovska ein besonders schönes und ermutigendes Kapitel der Vielfalt religiösen Lebens aufgeschlagen werde. Auch Ministerpräsident Ramelow begrüßte als Mitglied des Stiftungsrats der Leo Baeck Foundation, der offiziellen Trägerorganisation des Kollegs, die Vielfalt jüdischen Lebens.
Abraham Lehrer hob hervor, dass Rabbiner „Made in Germany“ heute in Europa gefragt seien, was noch vor 15 Jahren unvorstellbar gewesen sei. Das sei ein Indiz dafür, dass die Integration der jüdischen Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion gelungen sei. Den Absolventen des Abraham Geiger Kollegs rief er zu: „Sie müssen Menschen lieben!“ Er wünschte ihnen viel Erfolg und Mazal Tow und gratulierte jedem Einzelnen persönlich. Sonja Guentner erinnerte die Absolventen daran, dass sie die Träger des kulturellen Erbes des progressiven Judentums seien.
Der Präsident des Rabbinerseminars, Dr. Walter Jacob, machte die neuen Rabbiner und den Kantor darauf aufmerksam, dass nach dieser feierlichen Ordination keine Zeit sei, die Hände in den Schoß zu legen. Die Absolventen seien aufgerufen, neue Ideen für die Zukunft des heutigen Judentums zu entwickeln und das Judentum nach außen zu vertreten. Er schloss seine Predigt mit den Worten: „An die Arbeit!“
Rabbiner Dr. h. c. Henry G. Brandt, der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, schlug in dieselbe Kerbe: Rabbiner zu sein, sei alles andere als ein Honigschlecken. „Es geht nicht um euch!“, rief er ihnen zu. Es gehe stets um das Judentum und um das jüdische Volk.

hpk